„Gesunder Mix aus organischem Wachstum und Akquisitionen“

Philip Lehmann NWI

BondGuide: Also mehr oder minder eine Win-Win-Situation für beide Seiten schaffen – auch im konkreten Fall hinter der Anleiheemission?
Lehmann: Nein, dabei ist die Ausgangslage eine etwas andere: Das Unternehmen hat von sich aus erkannt, aus eigener Regie heraus nicht mehr groß voran zu kommen. Für eine NWI mit ihren vielfältigeren Möglichkeiten wäre dies aber darstellbar. Also planen wir eine Mehrheitsübernahme, wobei die bestehenden Gesellschafter auch beteiligt bleiben.

„Geschäftsführern von Tochterunternehmen möchten wir nicht in ihre tägliche Arbeit hineinreden“
Philip Lehmann, NWI

BondGuide: Warum nur Mehrheitsbeteiligungen und liegt der Fokus vor allem in Deutschland?
Lehmann: Die NWI ist kein Private-Equity-Unternehmen, das hier und dort Gelder einstreut. Die Beteiligungen müssen Sinn ergeben und zur bisherigen Gruppe passen, also entweder durch eine breitere horizontale oder eine vertiefte vertikale Aufstellung in einer Industrienische. Den verantwortlichen Geschäftsführern möchten wir nicht in ihre tägliche Arbeit hineinreden, aber wir müssen natürlich verbindliche Leitplanken aufstellen für jede Konzerntochter. Hauptfokus bleiben sicherlich Deutschland und Europa, allerdings ist die NWI auch in den USA mittlerweile stark aufgestellt.

BondGuide: Gibt es eigentlich eine Aufstockungsoption bei der Anleihe, für den Fall, dass sich spätere Begehrlichkeiten zeigen?
Lehmann: Die gibt es zwar und wäre kleinteilig sicherlich möglich, allerdings ist dies momentan nicht geplant. Hinter dem Emissionsvorhaben steht ein entsprechendes Finanzierungskonzept, das sich auch nicht alle paar Wochen ändert.

„Bei dem TRIB-Rating haben wir sehr gut abgeschnitten“
Philip Lehmann, NWI

BondGuide: Von Euler Hermes gab es als Unternehmens-Rating ein Investment Grade BBB-. Wo wäre der Hebel anzusetzen, um eine Notch besser zu werden, also ohne das Minus?
Lehmann: Wir haben bei dem erwähnten Rating sehr gut abgeschnitten in der Bewertung der Aufstellung der Gruppe, z.B. bei den Nischenbereichen, die wir abdecken, und auch wie wir die Gruppe managen. Die Eigenkapitalquote ist durch die Thesaurierungen zwar schon recht gut, könnte aber aus Sicht einer Rating-Agentur natürlich immer noch besser sein. Da wäre am ehesten die Stellschraube für ein Upgrade.

engineering - Made in Germany - // Maschinenbau in der Industrie - Produktion und Arbeiter

BondGuide: Es handelt sich um ein sog. TRIB-Rating, zugeschnitten auf den produzierenden, mittelständischen Sektor.
Lehmann: Das ist richtig. Das sog. TRIB-Rating ist vereinfacht gesagt eine Mischung aus den amerikanischen Moody’s-Vorgaben, kalibriert jedoch auf die Datenbasis von rund 13.000 Mittelständlern in Deutschland aus dem langjährig aufgebauten, sehr breiten Datenschatz von Euler Hermes. Im Ergebnis also ein methodisch sehr gut nachvollziehbares Rating, abgestimmt auf Unternehmen im gehobenen europäischen Mittelstand.

Fortsetzung nächste Seite