Frühstart-Rente: Bundesregierung vermasselt Chancengleichheit bei Altersvorsorgeinstrument

Foto: © jcomp – freepik.com

Mit der Entscheidung, die Eröffnung der Depots für die Frühstart-Rente den Eltern zu überlassen, zementiert die Bundesregierung bestehende soziale Ungleichheit unter Kindern und Jugendlichen. Die Frühstart-Rente hat das Potenzial, einen nachhaltigen Beitrag zur Reduzierung der Altersarmut zu leisten. Es ist die Verantwortung der Bundesregierung, diese Chance Kindern aller sozialer Schichten in Deutschland gleichermaßen zu eröffnen. Das geht nur, wenn für alle berechtigten Kinder individuelle Konten eröffnet werden. Diese Chance verschenkt die Bundesregierung mit dem heutigen Entwurf. Den Beschluss des Bundeskabinetts für eine Frühstart-Rente kommentiert Henriette Peucker, geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts e.V.:

Das Deutsche Aktieninstitut begrüßt die Einführung der Frühstart-Rente, die den Grundstock für eine aktienorientierte Altersvorsorge im Kindesalter legen kann. Zu den Details der Ausgestaltung von Kinderdepots, also Depots, mit denen Kinder staatlich gefördert mit Aktien und anderen Wertpapieren sparen, haben wir im September 2025 gemeinsam mit Vanguard eine Studie veröffentlicht. Darin analysieren wir die Praxis von Kinderdepots in Frankreich, Großbritannien, Israel, Kanada und den USA. Wir halten es für wichtig, erfolgreiche Bausteine internationaler Lösungen wie den Start zur Geburt und die automatische Eröffnung individueller Depots für alle Kinder bei der Einführung der Frühstart-Rente zu berücksichtigen.

Die Erfahrungen aus Israel zeigen, dass gerade einkommensschwache Eltern kein Depot für ihre Kinder eröffnen. Eine automatische Einbeziehung von Kindern, deren Eltern sich nicht um die Eröffnung eines Depots kümmern, ist daher dringend notwendig. Die im Gesetzentwurf vorgeschlagene kollektive Anlage durch die Bundesbank als Auffanglösung, die an den Bundeshaushalt zurückfließen soll, wenn sie nicht bis zur Vollendung des 35. Lebensjahrs von den jungen Menschen abgerufen wird, halten wir für ungerecht. Zwar hat die Bundesregierung die Altersgrenze, bis zu der die Mittel abgerufen werden können, von 25 auf 35 Jahre angehoben. Wer sich mit der sozialen Realität befasst, weiß, dass auch diese Änderung die Chance, die soziale Ungleichheit mit der Frühstart-Rente zu reduzieren, verfehlt. Die Frühstart-Rente ist eines der wenigen direkt wirksamen bundespolitischen Instrumente zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit, die die Bundesregierung hat. Diese Chance vergibt die Bundesregierung mit dem Verzicht auf die automatische Eröffnung eines Depots für jedes Kind, wenn die Eltern nicht handeln.

Foto: © wirestock – freepik.com

„Das ist besonders bedauerlich, weil die Frühstart-Rente bisher das erste und einzige Ansparmodul mit einem langfristigen Anlagehorizont ist. Sie nutzt den Zinseszinseffekt über mehr als 60 Jahre. So führen selbst kleine Einzahlbeträge zu attraktiven Ersparnissen im Alter“, so Peucker weiter.

Henriette Peucker, DAI e.V.

Unsere neueste BondGuide-Jahresausgabe „Green & Transition Finance 2026“ kann jetzt vollkommen kostenfrei gelesen und heruntergeladen werden. Daneben können auch unsere weiteren Nachschlagewerke wie bisher als kostenlose E-Magazine bequem heruntergeladen, gespeichert & durchgeblättert werden.

! Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !