
Von Marcelo Assalin, CFA, Partner und Portfoliomanager, Leiter des Emerging-Markets-Debt-Teams von William Blair Investment Management
Schwellenländeranleihen starten mit Rückenwind in das Jahr 2026. Robustes Wachstum, stabile Fundamentaldaten, attraktive Realrenditen und erneute Kapitalzuflüsse stützen das Marktumfeld. Auch Bewertungen, technische Faktoren und selektive Chancen in Frontier- und Unternehmensanleihen bleiben unterstützend.
Kernaussagen
– Das Momentum bei Emerging-Markets-Anleihen dürfte mit Blick auf 2026 intakt bleiben, gestützt durch robustes Wachstum, sich verbessernde Bilanzen, ein moderates Inflationsumfeld und erneute Kapitalzuflüsse.
– Fundamentale Faktoren und technische Rahmenbedingungen bleiben konstruktiv: stabile fiskalische und externe Positionen, eine lockerere Geldpolitik sowie eine begrenzte Netto-Neuemissionstätigkeit.
– Die Bewertungen bieten weiterhin Aufwärtspotenzial – dank attraktiver Realrenditen, möglicher Währungsaufwertungen sowie selektiver Chancen in Frontier-Märkten und im Unternehmensanleihesegment.
Das Momentum bei EM-Anleihen hält an, und wir sind der Ansicht, dass die zugrunde liegenden Treiber nichts von ihrer Kraft verloren haben. Solides Wachstum, verbesserte Bilanzen, attraktive Realrenditen und erneute Zuflüsse haben die Stärke aus dem Jahr 2025 in das kommende Jahr getragen. […]
Wir erwarten, dass die EM-Volkswirtschaften im kommenden Jahr auf BIP-gewichteter Basis um rund 3,7% wachsen werden. Damit läge das Wachstum in etwa auf dem Niveau der für 2025 geschätzten 3,9%, die die Erwartungen übertroffen hatten, nachdem im April Bedenken im Zusammenhang mit den US-Zollankündigungen aufgekommen waren. […] Besonders positiv stellen sich die Außenbilanzen dar. […]
Der Handel zwischen Schwellenländern macht inzwischen mehr als 50% des gesamten EM-Handels aus, gegenüber rund 25% zu Beginn der 2000er Jahre. Dies reduziert die Abhängigkeit der Schwellenländer von entwickelten Volkswirtschaften, insbesondere von den Vereinigten Staaten, deutlich. […]
Im Lokalwährungssegment sind wir der Ansicht, dass Investoren das Potenzial für weitere geldpolitische Lockerungen unterschätzen, und sehen erheblichen Wert bei lokalen Zinsen. Die attraktiven Bewertungen lassen zudem Spielraum für Währungsaufwertungen erkennen, da der US-Dollar weiterhin überbewertet erscheint. Wir erwarten, dass EM-Währungen gegenüber dem US-Dollar sowie gegenüber Währungen anderer entwickelter Märkte eine gute Wertentwicklung zeigen. […]
Während der Spielraum für weitere Zinssenkungen nach der aggressiven Lockerung im Jahr 2025 insgesamt begrenzt ist, verfügen ausgewählte Länder – darunter Ägypten, Ghana, Sambia und Kenia – über Raum für zusätzliche geldpolitische Lockerungen, da sich die Inflation abschwächt und sich die externen Bilanzen verbessern. In Nigeria rechnen wir eher mit schrittweisen und datenabhängigen Zinssenkungen als mit deutlichen Anpassungen. Auch wenn das Potenzial für weitere Zinssenkungen in anderen Ländern begrenzt ist, dürften hohe Carry-Erträge, eine Verbesserung der fiskalischen Rahmenbedingungen und robuste externe Bilanzen – insbesondere bei Rohstoffexporteuren – das Investoreninteresse aufrechterhalten. […]
Auch im Bereich der Unternehmensanleihen aus Schwellenländern sehen wir weiterhin zahlreiche Anlagechancen, mit zusätzlichen Renditeaufschlägen gegenüber Staatsanleihen bei bestimmten Laufzeiten. […]
Insgesamt rechnen wir für 2026 mit einem weiteren starken Jahr für Schwellenländeranleihen. Zwar bestehen weiterhin Risiken – unter anderem durch politische Unsicherheiten in den USA, Handelskonflikte und anhaltende geopolitische Spannungen –, wir gehen jedoch davon aus, dass diese Risiken insgesamt gut beherrschbar bleiben.
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