Die Schuldenuhr tickt 2026 im neuen ‚Deutschlandtempo‘

BdSt-Präsident Reiner Holznagel fordert eine Debatte über die Folgen der Schulden und der neuen deutschen Staatsverschuldung.

6.918 EUR neue Schulden kommen pro Sekunde dazu – und 1.601 EUR pro Sekunde fließen allein in Zinsen: Die Schuldenuhr Deutschlands tickt 2026 noch schneller. Und das in einem Jahr, in dem die Steuereinnahmen zum ersten Mal die Marke von 1.000 Mrd. EUR überschreiten sollen.

Damit steuert Deutschland auf einen doppelten Rekord zu: Rekordsteuereinnahmen – und zugleich Rekordneuverschuldung. Das ist die Quittung für eine Haushaltspolitik, die auf Ausgaben-Steigerungen statt auf Prioritäten setzt, stellt der Bund der Steuerzahler (BdSt) fest und spricht von einem Warnsignal.

„Wer Rekordsteuereinnahmen einfährt und zugleich Rekordschulden macht, hat den finanzpolitischen Kompass verloren. Ich sehe kein Ministerium, das Einsparvorschläge vorlegt – stattdessen wird weiter verteilt“, kritisiert BdSt-Präsident Reiner Holznagel und fordert: „Der Bundesetat 2027 braucht ein Sparkonzept, um die Schuldenspirale zu stoppen. Schluss mit XXL-Schulden.“

BdSt-Präsident Reiner Holznagel mahnt

BdSt-Präsident Reiner Holznagel mahnt

Zahlen 2026

Grundlage sind die aktuellen Haushaltsplanungen von Bund, Ländern und Kommunen für 2026:

– Gesamtstaatliche Neuverschuldung: mehr als 218 Mrd. EUR

– Schuldenuhrtempo: 6.918 EUR pro Sekunde (zuvor 5.085)

– Zinsausgaben pro Sekunde: 1.601 EUR (zuvor 1.503)

– Gesamtverschuldung: aktuell mehr als 2,6 Bio. EUR

Der Bund – Die Länder – Die Kommunen 2026

Größter Anteil an der Neuverschuldung hat der Bund: In diesem Jahr plant er eine Nettokreditaufnahme von mehr als 181 Mrd. EUR. Treiber sind die Rekordausgaben im Bundeshaushalt und die schuldenfinanzierten Sondervermögen. Die Länder verfolgen unterschiedliche Strategien. Zusammen planen sie mit 19 Mrd. EUR Nettokreditaufnahme, doch die Spannweite ist groß. Dazu ein paar Fakten:

Schulden und Schuldenuhr / Stand: Ende Nov 2025

Schulden und Schuldenuhr / Stand: Ende Nov 2025

– Nordrhein-Westfalen liegt mit 4,3 Mrd. EUR an der Spitze des Länder-Rankings.

– Sachsen-Anhalt und das Saarland erklären eine Notsituation, um Notlagenkredite zu nutzen.

– Zwei Drittel der Länder nutzen für ihre Nettokreditaufnahme die Möglichkeit struktureller Neuverschuldung.

– Sachsen sieht keine Neuverschuldung vor.

– Bayern plant eine Netto-Tilgung von vorerst 50 Mio. EUR

Auch die Kommunen tragen zunehmend zum Schuldenuhr-Tempo bei. Städte und Gemeinden werden das alte Jahr 2025 voraussichtlich mit einem Rekord-Defizit von mindestens 30 Mrd. EUR abschließen. Für das Schuldenuhr-Tempo 2026 berücksichtigt der BdSt eine kommunale Neuverschuldung von vorerst 18 Mrd. EUR, da die Haushaltslage vielerorts angespannt bleibt und die Kommunen weiter unter Druck stehen.

Schuldenbremse war gestern

Schuldenbremse war gestern

Zinslasten 2026

Die Zinsausgaben von Bund, Ländern und Kommunen steigen 2026 auf mehr als 50 Mrd. EUR an. Im Einzelnen schlagen zu Buche:

– Bund: rund 31 Mrd. EUR

– Länder: zusammen knapp 14 Mrd. EUR

– Kommunen: mehr als 5 Mrd. EUR

BdSt

Der Bund der Steuerzahler ist ein gemeinnütziger, unabhängiger und parteipolitisch neutraler eingetragener Verein. Die Arbeit wird durch Mitgliedsbeiträge der freiwilligen Mitglieder und über zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung finanziert. Rund 200.000 Mitglieder und Spender unterstützen den Bund der Steuerzahler. Der Verband wurde schon 1949 gegründet.

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