Boom bei KI untermauert Bedeutung alternativer Anlageklassen

Die wachsende Bedeutung alternativer Anlageklassen wird auch rund um den anhaltenden Boom bei KI deutlich. Von Tilmann Galler*

Wie die aktuelle Ausgabe des Guide to Alternatives von J.P. Morgan Asset Management zeigt, haben sich die Private Markets zu einem zentralen Zugang für zukunftsweisende Technologien entwickelt. Insgesamt erreicht das global verwaltete Vermögen in alternativen Anlageklassen mit über 19 Bio. USD (=19.000 Mrd.) einen neuen Rekordwert.

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt einen fundamentalen Wandel in der Kapitalmarktstruktur. Immer mehr Unternehmen entscheiden sich dafür, gar nicht oder erst in fortgeschrittenen Entwicklungsstadien an die Börse zu gehen, und sind damit an den traditionellen Kapitalmärkten nicht investierbar. Dieser Trend zu einer längeren Kapitalbeschaffung an den Privaten Märkten bedeutet auch, dass die Renditen aus frühen Entwicklungsphasen, an denen sich typischerweise über Small Caps partizipieren ließ, für Aktieninvestoren kaum noch verfügbar sind.

KI-Investitionen mit starkem Fokus auf private Märkte

Laut den aktuellen Daten des Guide to Alternatives erreichten im Jahr 2024 globale Unternehmensinvestitionen in KI 252 Mrd. USD. 2023 lagen die KI-Investitionen mit 201 Mrd. USD etwas niedriger, der bisherige Höhepunkt war im Jahr 2021 mit 361 Mrd. USD Investitionsvolumen. Die KI-Entwicklung nimmt immer weiter Fahrt auf; damit nehmen auch die Investitionsmöglichkeiten an den Privaten Märkten zu. In den kommenden Jahren dürfte das Investitionsvolumen daher weiter ansteigen. […]

Bemerkenswert ist in diesem Kontext der große Sprung von Venture-Capital-Investitionen in KI in den USA: Während 2020 noch 14% der Deals in KI-Unternehmen flossen, waren es 2024 bereits 45%, für 2025 werden sogar 71% prognostiziert. Die Investitionen verteilen sich dabei auf verschiedene KI-Bereiche: Grundlegende Modelle dominierten 2024 mit über 40 Mrd. USD, gefolgt von AI Operations & Cloud mit etwas über 10 Mrd. USD. […]

Ein wichtiger Vorteil alternativer Anlageklassen liegt in ihren niedrigen Korrelationen zu traditionellen Anlageklassen. Um für eine höhere und volatilere Inflation gerüstet zu sein, für die etwa im Jahr 2022 weder Aktien noch Anleihen Schutz zu bieten vermochten, werden reale Vermögenswerte wie Immobilien, Infrastruktur, Transport- und Waldinvestments zu einer wichtigen Portfolioergänzung. Auch die steigende Korrelation zwischen den Anlageklassen macht diese Real Assets unverzichtbar, denn diese weisen eine geringe oder auch negative Korrelation mit traditionellen Anlageklassen auf, was insbesondere in Krisenszenarien Stabilität für das Portfolio ermöglicht.

Anlageklassen und Alternativen

Anlageklassen und Alternativen

Eine Analyse der vierteljährlichen Erträge von 2008 bis 2024 im Guide to Alternatives zeigt dies eindrucksvoll: So weisen beispielsweise Kern-Immobilien in den USA oder Europa (mit jeweils -0,2), Transport (-0,2) sowie globale Kerninfrastruktur (-0,1) und auch Wald/Nutzholz (-0,1) sogar negative Korrelationen zu globalen Anleihen auf. Auch zu globalen Aktien zeigen viele alternative Anlageklassen negative Korrelationen, wie ebenfalls Waldinvestments (-0,1) und Transport (-0,1).

Tilmann Galler, J.P. Morgan AM

Ein Blick auf die Renditen alternativer Anlagen zeigt, dass sie zudem die Möglichkeit bieten, die Rendite über die traditionelle Aktien- und Anleiheallokation hinaus zu steigern.  Investments in Direct Lending schneiden beispielsweise mit 10,4% deutlich besser ab als Investments in High-Yield-Anleihen in den USA mit 7,5%, auch Anlagen in Transport global performen mit 9,8% besser. Mit einer Diversifizierung der Portfolios um alternative Anlageklassen lässt sich das Risiko-Ertrags-Profil verbessern, da die Volatilität reduziert und die Rendite gesteigert werden können. […]

*) Tilmann Galler ist Managing Director und globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt

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