Biotechnologie & KI: Disruption als Treiber statt Risiko

KI beschleunigt die Biotechnologie massiv – eine seltene Kombination aus Wachstum, Stabilität und günstigen Bewertungen.

Die Kombination aus Biotechnologie und künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt sich zu einem der spannendsten Investmentthemen – und das aus einem ungewöhnlichen Grund: Während viele Branchen unter der Disruption durch KI leiden, wird der Biotech-Sektor zum klaren Profiteur. Für Investoren entsteht daraus eine seltene Mischung aus Wachstumsperspektiven und defensiven Eigenschaften, analysiert Jordan Stuart von Federated Hermes*.

Laut Stuart wirkt KI im Gesundheitswesen nicht als Ersatz, sondern als Multiplikator. Sie beschleunigt die Wirkstoffforschung, verbessert die Proteinmodellierung und erhöht die Effizienz in der klinischen Entwicklung. Gleichzeitig bleibt der entscheidende Faktor bestehen: Biologische Forschung ist komplex, reguliert und auf menschliche Expertise angewiesen. Eine vollständige Automatisierung ist damit ausgeschlossen – ein struktureller Vorteil gegenüber vielen anderen Sektoren.

Genau hier entsteht ein Paradoxon: Die Biotechnologiebranche profitiert massiv von KI-gestützten Anwendungen, ohne gleichzeitig einem hohen Verdrängungsrisiko ausgesetzt zu sein. Damit zählt sie zu den stabileren KI-getriebenen Investmentfeldern – ein Aspekt, der im aktuellen Marktumfeld an Bedeutung gewinnt.

Biotechnologie und KI passen zusammen

Biotechnologie und KI passen zusammen

Auch bewertungsseitig bietet sich ein interessantes Bild: Während klassische Technologieaktien durch die KI-Euphorie deutlich gestiegen sind, notiert der Biotech-Sektor weiterhin mit Abschlägen. Gleichzeitig belasteten bislang hohe Zinsen die Branche, insbesondere aufgrund langer Entwicklungszyklen und hoher Forschungskosten. Sollten die Zinsen sinken, könnte dies eine deutliche Neubewertung auslösen.

Fundamental punktet der Sektor zudem durch mehrere strukturelle Stärken: Die Nachfrage im Gesundheitswesen ist weitgehend unabhängig von Konjunkturzyklen, was den Bereich antizyklisch macht. Gleichzeitig ist die Branche vergleichsweise robust gegenüber geopolitischen Risiken und bietet durch geringe Korrelation zu klassischen Tech-Bewertungen attraktive Diversifizierungsmöglichkeiten.

Ein zunehmend diskutiertes Konzept ist dabei HALO – „heavy assets, low obsolescence“. Übertragen auf den Gesundheitssektor steht es für eine Kombination aus Healthcare, Artificial Intelligence, Lower Interest Rates und einer ausgewogenen Offensive-Defensive balance. Genau diese Balance macht Biotech aus: Einerseits beschleunigt KI die Arzneimittelentwicklung, erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit und verbessert die Skalierbarkeit. Andererseits bleibt die Branche durch ihre wissenschaftliche Basis strukturell abgesichert.

Unterm Strich ergibt sich ein klarer Investmentcase: KI wirkt im Biotech-Sektor als Innovationsmotor und nicht als Bedrohung. In Kombination mit attraktiven Bewertungen, struktureller Robustheit und potenziell sinkenden Zinsen ergibt sich ein Umfeld, das sowohl Stabilität als auch Wachstum verspricht.

*) Federated Hermes ist ein internationaler Vermögensverwalter mit Fokus auf nachhaltige und aktive Investmentstrategien. Autor Jordan Stuart verantwortet als Investment Director Analysen und Strategien im Gesundheits- und Technologiesektor.

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