Autobahn ohne Fahrer: China zieht im Lkw-Rennen davon

Quelle: EMMI

Autonome Lkw stehen vor dem Durchbruch – und China setzt das Tempo bei Elektrifizierung und KI-Logistik.

Der Wettlauf um den autonomen Lkw nimmt Fahrt auf – und China liegt laut Audun Wickstrand-Iversen von DNB Asset Management derzeit klar vorn. Was lange nach Zukunftsmusik klang, entwickelt sich zunehmend zum industriellen Realitätstest: selbstfahrende Lastwagen könnten die globale Logistik grundlegend verändern.

Der Treiber ist vor allem ökonomischer Natur. Im klassischen Gütertransport entfallen rund ein Drittel bis etwa die Hälfte der Kosten auf den Fahrer. Autonome Lkw hebeln dieses Modell aus – kombiniert mit Elektrifizierung und datengetriebener Optimierung entsteht ein völlig neues Kostenprofil. Bereits heute könnten autonome Systeme in bestimmten Einsatzfeldern deutlich günstiger arbeiten, perspektivisch seien Einsparungen von bis zur Hälfte möglich.

Hinzu kommt ein entscheidender Effizienzvorteil: Während menschliche Fahrer gesetzlichen Ruhezeiten unterliegen, können autonome Fahrzeuge nahezu rund um die Uhr fahren. Für Logistiker bedeutet das eine deutlich höhere Auslastung und schnellere Lieferketten – ein zentraler Wettbewerbsvorteil in einer zunehmend zeitkritischen Wirtschaft.

China besetzt eine weitere Marktnische - die aber nicht ganz so klein ist!

China besetzt eine weitere Marktnische – die aber nicht ganz so klein ist!

Besonders dynamisch verläuft diese Entwicklung in China. Staatliche Förderung, Infrastrukturinvestitionen und industrielle Strategie greifen dort ineinander. Bereits heute sind tausende selbstfahrende Lastwagen im kommerziellen Einsatz, etwa zwischen Häfen und Logistikzentren. Gleichzeitig boomt die Elektrifizierung: 2025 entfiel erstmals mehr als die Hälfte der Neuzulassungen auf elektrische oder hybride Lkw.

Die USA setzen dagegen stärker auf technologische Innovation, etwa durch Unternehmen wie Aurora oder Kodiak Robotics. Hier dominieren bislang Pilotprojekte, während die breite Marktdurchdringung noch aussteht. Europa wiederum wird primär durch Regulierung getrieben: Strenge CO2-Vorgaben forcieren den Umstieg auf elektrische Antriebe, während autonome Systeme langsamer eingeführt werden – nicht zuletzt wegen komplexer rechtlicher Rahmenbedingungen.

Mit der Transformation verändert sich auch die Wertschöpfung. Logistik wird zunehmend zum Softwaregeschäft: Batterien, Sensorik, Halbleiter und KI rücken in den Mittelpunkt. Unternehmen, die diese Technologien liefern, könnten zu den eigentlichen Profiteuren werden. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage nach Diesel langfristig sinken – mit spürbaren Folgen für Energiemärkte.

Für Investoren markiert diese Entwicklung laut Wickstrand-Iversen den Beginn eines neuen Investitionszyklus. Noch sei die Branche in einer frühen Phase, doch mit zunehmender Wirtschaftlichkeit könnte sich die Technologie rasch durchsetzen.

Audun Wickstrand-Iversen

Fazit

Der autonome Lkw steht an der Schwelle zur Skalierung – und China gibt aktuell das Tempo vor. Für Märkte und Investoren entsteht ein neues industrielles Ökosystem, das weit über den Transportsektor hinausreicht.

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