ASML ist Europas heimlicher KI-Champion

Comet

Ohne ASML gäbe es viele moderne KI-Chips nicht. LFDE sieht den niederländischen Lithographiespezialisten als Europas Schlüsselunternehmen im globalen KI-Boom.

Die Revolution der Künstlichen Intelligenz wird häufig mit Namen wie Nvidia, TSMC, Samsung oder SK Hynix verbunden. Nach Ansicht von Alexis Bienvenu, Fondsmanager bei LFDE, steht hinter diesen Branchengrößen jedoch ein Unternehmen, das für die gesamte Halbleiterindustrie unverzichtbar geworden ist: ASML.

Der niederländische Technologiekonzern hat sich mit seinen EUV-Lithographiesystemen (Extreme Ultraviolet) eine weltweit einzigartige Marktstellung erarbeitet. Die hochkomplexen Anlagen ermöglichen die Fertigung modernster Halbleiterstrukturen und bilden damit die Grundlage für die leistungsfähigsten KI-Prozessoren. Konkurrenz auf technologisch vergleichbarem Niveau gebe es derzeit praktisch nicht.

Bemerkenswert sei, dass dieser Vorsprung keineswegs selbstverständlich gewesen sei. Nach der Gründung 1984 als Gemeinschaftsunternehmen von Philips und ASM International galt ASML zunächst als Außenseiter gegenüber den etablierten japanischen Wettbewerbern Nikon und Canon. Erst die jahrzehntelangen Investitionen in die EUV-Technologie verschafften dem Unternehmen einen Vorsprung, der nach Einschätzung von LFDE bis heute kaum aufzuholen ist.

ASML versus Infineon

ASML versus Infineon

Der Erfolg sei dabei nicht allein niederländisch, sondern europäisch geprägt. Schlüsselkomponenten stammen unter anderem von Zeiss und Trumpf aus Deutschland. Hinzu komme ein eng verzahntes Netzwerk spezialisierter Zulieferer aus mehreren europäischen Ländern. Gerade diese industrielle Zusammenarbeit habe Europas Technologieführerschaft in einem der anspruchsvollsten Bereiche der Halbleiterproduktion erst möglich gemacht.

Für Anleger sei zudem das Geschäftsmodell interessant. ASML verkauft nicht nur hochpreisige Lithographieanlagen, sondern erzielt über deren jahrzehntelangen Einsatz kontinuierliche Erlöse aus Wartung, Ersatzteilen und Modernisierungen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen bereits an der nächsten Technologiegeneration, den sogenannten High-NA-EUV-Systemen, deren Stückpreis bei rund 400 Mio. EUR liegt und die den technologischen Vorsprung weiter ausbauen sollen.

Risiken bleiben dennoch bestehen. Eine Abschwächung des Halbleitermarktes, geopolitische Spannungen rund um Taiwan oder technologische Fortschritte chinesischer Wettbewerber könnten das Marktumfeld verändern. LFDE hält den bestehenden Vorsprung von ASML jedoch für so groß, dass eine ernsthafte Konkurrenz selbst unter günstigen Voraussetzungen erst in vielen Jahren entstehen dürfte.

Alexis Bienvenu

Während Europa bei digitalen Plattformen gegenüber den USA und Asien häufig im Hintertreffen gesehen werde, zeige ASML, dass der Kontinent in Schlüsseltechnologien weiterhin weltweit führend sein könne. Ohne den niederländischen Spezialisten wäre der aktuelle KI-Boom in seiner heutigen Form kaum denkbar.

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