
Anthropic und SpaceX setzen neue Maßstäbe bei Börsenbewertungen. Leverage Shares warnt vor überzogenen Erwartungen, Insiderverkäufen und Governance-Risiken.
Die geplanten bzw. jüngsten Börsengänge von Anthropic und SpaceX könnten die Bewertung des KI-Sektors nachhaltig prägen, erläutert Violeta Todorova, Senior Analyst bei Leverage Shares. Beide Transaktionen stehen für außergewöhnliche Dimensionen: SpaceX nahm bei seinem Börsendebüt rund 75 Mrd. USD ein, nach Ausübung der Mehrzuteilungsoption etwa 86 Mrd. USD. Anthropic hat seine Unterlagen für einen Börsengang an der Nasdaq eingereicht. Die angestrebte Bewertung liegt Medienberichten zufolge zwischen 1,5 und 2 Bio. USD.
Bemerkenswert ist die wirtschaftliche Verflechtung: Anthropic hat sich verpflichtet, bis zu 120,5 Mrd. USD für Rechenleistung der KI-Sparte von SpaceX zu investieren. Der Erfolg des einen Unternehmens speist damit teilweise den des anderen.
Anthropic wächst deutlich schneller und erzielt höhere Margen als SpaceX. Im ersten Halbjahr vervielfachten sich die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum etwa um den Faktor 13. Bereinigt um einen bilanziellen Bewertungseffekt aus Wandelanleihen erzielte das Unternehmen im zweiten Quartal einen operativen Gewinn von 974 Mio. USD. SpaceX wiederum meldete im dritten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 4,4 Mrd. USD.
Beide Bewertungen sind dennoch ambitioniert: SpaceX wurde zum Ausgabepreis mit etwa dem 95-Fachen des Umsatzes von 2025 bewertet, bei Anthropic liegt der entsprechende Faktor auf Basis des hochgerechneten Halbjahresumsatzes bei rund 46. Für weitere Kursgewinne bleibt damit wenig Luft.
SpaceX liefert Anschauungsunterricht
Der erste Handelstag ist kein verlässlicher Indikator für den Unternehmenswert. SpaceX stieg zunächst bis auf 225 USD und damit 67% über den Ausgabepreis von 135 USD. Im Sommer fiel die Aktie zeitweise auf 105 USD. Ein geringer Streubesitz von nur rund 5% und der beschleunigte Aufstieg in den Nasdaq-100 hatten den Kurs zunächst zusätzlich gestützt.
Auch gestaffelte Lock-up-Fristen verdienen Aufmerksamkeit. Als Ende Oktober 28% der zuvor gesperrten Aktien handelbar wurden, geriet der SpaceX-Kurs unter Druck. Bei Anthropic sind Insiderverkäufe bereits ab dem ersten Handelstag sowie weitere Freigaben nach 27, 48, 62 und 76 Tagen vorgesehen.
Governance bleibt ein Risikofaktor
Bei SpaceX konzentriert Elon Musk rund 82% der Stimmrechte auf sich. Anthropic verfügt über eine weniger konzentrierte, aber ebenfalls ungewöhnliche Kontrollstruktur. Die sieben Mitgründer halten bei bestimmten Entscheidungen 50,1% der Stimmrechte; ein unabhängiger Trust kann die Mehrheit des Verwaltungsrats bestimmen. Als Public Benefit Corporation muss Anthropic zudem Aktionärsrenditen und Unternehmensmission miteinander abwägen.
Für Anleger lautet die zentrale Lehre: Nicht der Hype des Börsendebüts, sondern Bewertung, tatsächliche Ertragskraft und Aktienangebot entscheiden über die langfristige Entwicklung. Gerade bei Anthropic sollten Investoren deshalb neben den Wachstumszahlen auch den Lock-up-Kalender und die künftigen Kosten für Rechenleistung im Blick behalten.
Leverage Shares hat in den USA drei gehebelte bzw. inverse Single-Stock-ETFs mit Bezug zu Anthropic eingereicht. In Großbritannien ist zudem ein 3x Long Anthropic ETP vorgesehen. Dieses soll in Europa bereits vor dem Börsengang als Cash-Vehikel starten und erst nach der Erstnotierung mit dreifachem täglichem Hebel in die Aktie investieren. Solche Produkte richten sich an erfahrene Anleger und bergen aufgrund der Hebelwirkung erhebliche Verlustrisiken.
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