Wo 2027 die größten Chancen bei Schwellenländeranleihen liegen

Schwellenländeranleihen in Lokalwährung bleiben attraktiv. William Blair IM setzt auf ausgewählte Zinsmärkte und Währungen mit günstigen Fundamentaldaten.

Schwellenländeranleihen in Lokalwährung bieten trotz geopolitischer Risiken und makroökonomischer Volatilität weiterhin attraktive Chancen. Lewis Jones, Portfoliomanager im Emerging-Markets-Debt-Team von William Blair Investment Management, sieht für 2027 vor allem robuste Fundamentaldaten, attraktive Renditen und unterstützende technische Faktoren als Treiber. Entscheidend sei allerdings eine selektive Vorgehensweise, da sich die Aussichten zwischen einzelnen Ländern erheblich unterscheiden.

Nach einem starken Start ins dritte Quartal gerieten Lokalwährungsanleihen im September unter Druck. Restriktivere Erwartungen an die US-Geldpolitik und ein stärkerer Dollar belasteten die Anlageklasse. Hinter der allgemeinen Volatilität blieb die Entwicklung zwischen den einzelnen Märkten jedoch uneinheitlich.

Aktive Auswahl statt regionaler Pauschalurteile

Schwellenländeranleihen in der Übersicht der Präferenzen

Schwellenländeranleihen in der Übersicht der Präferenzen

William Blair nutzt zur Portfoliosteuerung einen eigenen Beta-Bucket-Ansatz. Dabei werden Länder unabhängig von ihrer geografischen Zuordnung in niedrige, mittlere und hohe Risikokategorien eingeteilt. So sollen unterschiedliche Risikoprofile innerhalb einzelner Regionen besser abgebildet und Chancen bei lokalen Zinsen und Währungen gezielter identifiziert werden.

In der Kategorie mit niedrigem Beta bevorzugt Jones bei den Zinsen insbesondere Tschechien und Ungarn. Die tschechische Krone profitiere von soliden Fundamentaldaten und attraktiver Bewertung. In Ungarn sieht das Team weiteres Potenzial für sinkende Renditen, setzt seine positive Einschätzung wegen fiskalischer und externer Risiken allerdings über lokale Anleihen statt über den Forint um. Auch Polen bleibt interessant: Relativ hohe Realrenditen, solides Wachstum und Investitionszuflüsse aus der EU sprechen aus Sicht des Investmentteams für längere Laufzeiten. Chinesische und thailändische Staatsanleihen werden dagegen bei den Zinsen untergewichtet.

Bei den Währungen zählen der chilenische Peso, die tschechische Krone und der polnische Złoty zu den bevorzugten Positionen. Vorsichtiger ist William Blair unter anderem beim rumänischen Leu, peruanischen Sol und ungarischen Forint.

Hohe laufende Erträge in ausgewählten Hochzinsmärkten

In der Kategorie mit hohem Beta setzt das Team bei den Zinsen auf die Türkei. Die außergewöhnlich hohen laufenden Erträge böten weiterhin eine attraktive Kompensation für das Abwertungsrisiko. Auch Brasilien und Kolumbien werden bei lokalen Zinsen positiv beurteilt. In Südafrika und Indonesien überwiegt dagegen die Zurückhaltung.

Polen: der Złoty

Bei den Währungen bevorzugt William Blair die indonesische Rupiah, den mexikanischen Peso und die türkische Lira. Verbesserte Bewertungen und technische Faktoren stützen zudem die positive Einschätzung der Rupiah.

Frontier-Märkte mit zusätzlichem Potenzial

Auch ausgewählte Frontier-Märkte bieten Chancen. Bei lokalen Zinsen setzt Jones auf Kolumbien, Sambia und Uganda. In Sambia stützen Fortschritte bei der makroökonomischen Anpassung und die zunehmende Glaubwürdigkeit der Wirtschaftspolitik den positiven Ausblick. Uganda profitiert von stabiler Wirtschaftspolitik, kontrollierter Inflation und Investitionszuflüssen aus dem Ölsektor.

Lewis Jones

Bei den Währungen stehen die nigerianische Naira, der sambische Kwacha und das ägyptische Pfund auf der Übergewichtungsliste. Hohe laufende Zinserträge, Reformfortschritte und verbesserte externe Finanzierungsbedingungen sprechen aus Sicht des Teams für diese Positionen.

Insgesamt bleibt William Blair für Schwellenländeranleihen in Lokalwährung 2027 zuversichtlich. Nicht die regionale Zuordnung, sondern die Kombination aus Bewertung, Geldpolitik und Fundamentaldaten soll dabei über die Anlageentscheidung bestimmen.

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