Anleihen-Comeback: Rendite ist nicht alles

Das Comeback der Anleihen eröffnet neue Chancen, birgt aber auch Risiken. Entscheidend sind Bonität, Laufzeit, Inflation und Währung.

Nach der langen Null- und Negativzinsphase bieten Anleihen wieder attraktive Ertragsmöglichkeiten. Doch höhere Renditen sind kein Selbstläufer: Steigende Marktzinsen, wachsende Staatsschulden und Währungsschwankungen können die vermeintlich sichere Anlage empfindlich treffen. Darauf weist Nermin Aliti, Leiter Fonds Advisory der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ, in seiner aktuellen Markteinschätzung hin.

Staatsschulden treiben die Renditen

Selbst Staatsanleihen mit hoher Bonität sind nicht frei von Kursschwankungen. Steigen die Marktzinsen, geraten bereits emittierte Papiere in der Regel unter Druck. Zudem verlangen Investoren angesichts wachsender Haushaltsdefizite und politischer Unsicherheiten mitunter höhere Risikoaufschläge.

Bei Anleihen steigt auch das Risiko

Bei Anleihen steigt auch das Risiko

Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung in den USA, deren Staatsverschuldung laut Aliti rund 127% des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Auch zahlreiche europäische Staaten weisen hohe Schuldenquoten auf. Ohne eine Begrenzung der Neuverschuldung drohe eine ungünstige Dynamik: Höhere Schulden erfordern mehr Anleiheemissionen, steigende Zinskosten engen die Haushaltsspielräume ein und können weiteren Finanzierungsbedarf nach sich ziehen.

Für Euro-Anleger sind die vergleichsweise hohen Renditen von US-Staatsanleihen nur bedingt attraktiv. Denn neben dem Zinsänderungsrisiko kommt das Wechselkursrisiko hinzu. Wertet der US-Dollar gegenüber dem Euro ab, kann der Währungsverlust den Renditevorsprung schnell aufzehren. Eine Absicherung wiederum kostet Geld und reduziert den Renditevorteil gegenüber Euro-Anleihen häufig erheblich.

Auch die Inflation bleibt ein wichtiger Einflussfaktor. Steigende Energiepreise und anhaltender Preisdruck können die Renditen nach oben treiben und damit die Kurse belasten. Besonders empfindlich reagieren Anleihen mit langen Laufzeiten auf Veränderungen des Marktzinses.

Diversifikation statt Renditejagd

Alitis Fazit: Das Anleihen-Comeback ist eine gute Nachricht für langfristig orientierte Anleger, sofern sie nicht allein auf die höchste Nominalrendite schauen. Eine breite Streuung über Laufzeiten und Bonitäten sowie überschaubare Währungsrisiken seien entscheidend. Wer einzelne Papiere nicht selbst auswählen möchte, könne alternativ auf Rentenfonds, defensive Mischfonds oder eine Vermögensverwaltung setzen.

Nermin Aliti

Nermin Aliti ist Leiter Fonds Advisory der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ und beschäftigt sich mit Kapitalmarktentwicklungen sowie Anlagestrategien für private Anleger.

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