
Russlands Wirtschaft verliert an Dynamik, während Investitionen einbrechen. Zugleich greift der Kreml auf ausländische Unternehmen und Vermögenswerte zu.
Russlands Wirtschaft wächst kaum noch: Iikka Korhonen vom BOFIT-Institut der finnischen Zentralbank erwartet für 2026 ein BIP-Wachstum von rund 1%, für 2027 und 2028 nur noch jeweils etwa 0,5%. Die Prognose bleibt damit gegenüber März unverändert. Ein unmittelbarer wirtschaftlicher Kollaps sei zwar nicht zu erwarten, doch die Abhängigkeit von staatlichen Ausgaben nehme zu. Inflation, schwache Investitionen und strukturelle Ungleichgewichte verschärften die Probleme. Die wirtschaftlichen Kosten des Krieges würden weiter anwachsen, auch wenn sie sich noch nicht vollständig zeigten.
Ukraine trifft Rechenzentrum von Sberbank
Die Ukraine hat nach Angaben des russischen Mediums The Bell ein Rechenzentrum der Sberbank, Russlands größter Bank, angegriffen. Das Staatsinstitut betreibt zugleich ein umfangreiches digitales Ökosystem, entwickelt eigene KI-Modelle und bietet zahlreiche Online-Dienste an. Größere Störungen des Bankbetriebs blieben dem Bericht zufolge aus. Die wiederholten Angriffe auf Rechenzentren könnten jedoch das Vertrauen der russischen Bevölkerung in das Bankensystem beeinträchtigen.
Moskau greift weitere ausländische Unternehmen
Russland hat zudem die Vermögenswerte russischer Tochtergesellschaften von fünf europäischen Unternehmen unter staatliche Fremdverwaltung gestellt. Betroffen sind der französische Beschichtungshersteller Tarkett, der belgische Körperpflegeanbieter Ontex, der niederländische Verpackungshersteller Sonoco Metal Packaging, der deutsche Verpackungsspezialist Menshen Beteiligungs-GmbH sowie die schwedische Sverige International Holdings, zu der der Verpackungshersteller Kappa gehört.
Die betroffenen Gesellschaften erzielten zusammen einen Jahresumsatz von rund 50 Mrd. Rubel. Die Vermögenswerte wurden Marat Mirkhaidarov übertragen, einem früheren Regionalbeamten, der am Krieg gegen die Ukraine teilgenommen hat. Der Schritt unterstreicht die wachsenden politischen und rechtlichen Risiken für ausländische Unternehmen in Russland.
Iikka Korhonen ist Leiter des Forschungsinstituts für Schwellenländer der finnischen Zentralbank (BOFIT).
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