KMU-Anleihen: frisches Geld trifft auf alte Fälligkeiten

So sieht GPT das Thema

Zum Wochenstart zeigt sich der Markt für KMU-Anleihen zweigeteilt: Neue Emissionen werben mit robusten Kupons, Altanleihen verlangen Lösungen.

Am Markt für Mittelstandsanleihen ist zum Wochenauftakt einiges in Bewegung. Während mehrere Emittenten mit neuen Bonds um Anleger werben, rücken andernorts anstehende Rückzahlungen und die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten in den Vordergrund. Die Spannweite reicht von Wachstumsfinanzierungen bis zu Laufzeitverlängerungen.

Bei den Neuemissionen sticht die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig (NZWL) hervor. Der Automobilzulieferer bietet für seine neue Anleihe 2026/31 einen Kupon von 9,875% und strebt ein Volumen von bis zu 15 Mio. EUR an. Parallel läuft ein Umtauschangebot für bestehende Schuldverschreibungen. Schon 2025 boten die Leipziger 9,875% und 2024 auch 9,75%.

Katjes Greenfood peilt mit seiner neuen Anleihe bis zu 40 Mio. EUR an. Der Kupon soll zwischen 7,75 und 8,5% liegen. Auch hier ist die Refinanzierung der Altanleihe von 2023 wesentlicher Bestandteil der Transaktion. Seinerzeit erfolgte der Debüt-Bond mit 8,0%, was die Anleihe im Kurs dauerhaft über pari hielt. Der Bond soll zu 101% vorzeitig abgelöst werden, nach erfolgreicher Platzierung von KGF 2026/31.

Die NZWL refinanziert turnusmäßig einmal jährlich eine oder zwei bestehende Bonds über den Markt für KMU-Anleihen

Die NZWL refinanziert turnusmäßig einmal jährlich eine oder zwei bestehende Bonds über den Markt für KMU-Anleihen

Im Bereich erneuerbarer Energien bietet Aream Infrastruktur für seinen Green Bond 2026/31 wiederum 7,25% (wie auch 2025) bei einem Zielvolumen von bis zu 10 Mio. EUR. Die beiden bestehenden Aream-Anleihen bieten jedoch höhere rechnerische Renditen bis zur Endfälligkeit.

Die Beispiele zeigen: Frisches Kapital ist am Anleihemarkt gefragt, allerdings zu unterschiedlichen Konditionen. Der Kupon allein sagt dabei wenig über die Attraktivität einer Emission aus. Entscheidend bleiben Geschäftsmodell, Verschuldung, Sicherheiten und die Fähigkeit, den Schuldendienst aus dem operativen Geschäft zu leisten.

Refinanzierung statt Rückzahlung

Auf der anderen Seite des Marktes stehen Emittenten, die ihre bestehenden Finanzierungen neu sortieren. So hat die Branicks Group die Zinsen ihrer 400-Mio.-EUR-Anleihe planmäßig gezahlt, während die ursprünglich für September vorgesehene Rückzahlung im Zuge einer beschlossenen Laufzeitverlängerung zunächst ausbleibt.

Auch ACCENTRO hat die Bedingungen von gleich vier ausstehenden Anleihen geändert. Die Anpassungen verschaffen dem Immobilienunternehmen unter anderem längere Laufzeiten und zusätzlichen finanziellen Spielraum.

Einen alternativen Weg beschreitet Mutares: Die Beteiligungsgesellschaft bietet den teilweisen Rückkauf ihres im März 2027 fälligen Nordic-Bonds an und beabsichtigt, die Anleihe im vierten Quartal zu refinanzieren. Damit wird die Anschlussfinanzierung bereits vor dem eigentlichen Fälligkeitstermin angegangen. Der Floater von 2023 ist mit 8,5% plus 3M-Euribor reichlich kostspielig, aber im Umkehrzug für Investoren höchst attraktiv.

Branicks und ACCENTRO haben erfolgreich refinanziert und sich Spielraum geholt

Für Anleger bleibt somit nicht allein die Frage interessant, welche neuen Kupons der Markt bietet. Ebenso wichtig ist, wie Emittenten ihre Fälligkeiten steuern: durch Umtauschangebote und Neuemissionen, vorzeitige Rückkäufe – oder, falls doch erforderlich, Änderungen der Anleihebedingungen.

Der Wochenauftakt zeigt damit zwei Seiten desselben Marktes: Neuemissionen eröffnen Finanzierungsspielräume – bestehende Anleihen machen deutlich, wie wichtig eine rechtzeitige Anschlussfinanzierung ist.

Falko Bozicevic

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