Deutschlands Aufschwung kommt von außen – … noch!

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Die deutsche Wirtschaft meldet sich zurück. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,6 auf 1,3% mehr als verdoppelt. Nach Jahren der Rezession und Stagnation ist das mehr als eine statistische Fußnote. Es ist ein erstes Lebenszeichen. Der aktuelle Marktkommentar von Volker Schilling, Gründer und Vorstand der Greiff capital management AG:

Natürlich ist noch nicht alles gut. Aber es ist eben auch nicht mehr alles schlecht. Ein Teil des Aufschwungs kommt durch höhere Staatsausgaben, eine stabilere Weltkonjunktur und bessere Exportaussichten. Doch die Erholung fällt nicht vom Himmel. Die Bundesregierung setzt mit Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung, besseren Abschreibungsmöglichkeiten und einer offensiveren Handelspolitik an den richtigen Stellen an. Über Tempo, Umsetzung und Finanzierung darf man streiten. Über die Richtung deutlich weniger. Das Problem dieser Regierung ist möglicherweise nicht, dass sie nur das Falsche tut. Sondern dass sie das Richtige häufig so schlecht verkauft, dass es kaum jemand bemerkt. Zuversicht ist kein Schönreden. Zuversicht ist ein Standortfaktor.

Der Aufschwung kommt von außen
Während die USA neue Zollmauern errichten und China seine Märkte strategisch abschirmt, knüpft Europa neue Handelsbeziehungen. Das Mercosur-Abkommen öffnet deutschen Automobilherstellern, Maschinenbauern und Chemiekonzernen einen Markt mit mehr als 270 Millionen Menschen. Mit Indien steht das nächste große Handelsabkommen an, mit Australien wurden die Verhandlungen beendet und auch mit den Philippinen gibt es eine weitgehende Einigung. Für eine Exportnation wie Deutschland sind solche Vereinbarungen keine diplomatische Folklore. Sie sind Wachstumspolitik. Freihandelsabkommen sind Konjunkturprogramme, die den Steuerzahler nichts kosten. Auch Außenminister Johann Wadephul setzt bei den Vereinten Nationen auf neue Partnerschaften, eine engere Zusammenarbeit mit Lateinamerika und eine Reform der internationalen Ordnung. Das klingt zunächst nach großer Diplomatie, ist aber ebenso handfeste deutsche Interessenpolitik. Wo politische Beziehungen stabiler werden, entstehen neue wirtschaftliche Möglichkeiten. Die Welt bietet Deutschland neue Märkte. Und die Bundesregierung tut gut daran, diese Türen gemeinsam mit Europa zu öffnen.

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Berlin als Warnleuchte
Die Wahl in Berlin liefert dazu allerdings das Kontrastprogramm. Die Linke wird stärkste Kraft, während die politische Mitte weiter an Zustimmung verliert. Das sollte man nicht als Berliner Kuriosität abtun. Es ist ein Hinweis darauf, wie groß die Sehnsucht nach sozialer Sicherheit geworden ist, aber auch, wie schnell daraus der Ruf nach mehr Staat, mehr Regulierung und mehr Umverteilung entsteht. Die Linke allein wird den deutschen Aufschwung nicht stoppen. Gefährlicher wäre es, wenn auch die Parteien der Mitte auf wirtschaftliche Unsicherheit mit immer mehr staatlicher Kontrolle antworteten. Mietendeckel schaffen keine Wohnungen. Vergesellschaftungen schaffen kein produktives Kapital. Und höhere Transfers ersetzen keine wettbewerbsfähigen Arbeitsplätze. Friedrich Merz hat recht, wenn er stärker auf Leistung, Investitionen und wirtschaftliche Dynamik setzt. Nun muss die Regierung den Mut haben, diesen Kurs durchzuhalten. Soziale Sicherheit lässt sich auf Dauer nicht gegen wirtschaftliche Stärke verteidigen, sondern nur mit ihr.

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Was macht der DAX daraus?
Der DAX steht derzeit bei rund 25.400 Punkten und damit wieder in Reichweite seines bisherigen Rekordes. Ein Anlauf auf 26.000 Punkte bis zum Jahresende erscheint realistisch. Öffnen sich weitere Weltmärkte, bleiben die Unternehmensgewinne stabil und gewinnen die Reformen der Bundesregierung an Kontur, sind auch 27.000 bis 27.500 Punkte möglich. Allerdings ist der DAX kein reines Barometer der deutschen Wirtschaft. Seine Konzerne verdienen einen großen Teil ihres Geldes im Ausland. Er ist weniger ein Deutschland-Index als ein Weltindex mit deutschem Firmensitz. Doch vielleicht steckt darin gerade die Chance: Deutschlands Unternehmen sind international wettbewerbsfähig, seine Industrie ist leistungsfähig und seine Innovationskraft größer, als es die tägliche Untergangsrhetorik vermuten lässt. Wenn nun auch die politischen Rahmenbedingungen wieder besser werden, muss der Aufschwung kein kurzes Zwischenhoch bleiben. Deutschland ist nicht am Ende. Deutschland stand sich nur zu lange selbst im Weg. Wir können es, wenn wir wollen. Und vor allem, wenn wir es machen. Dann wächst Deutschland bald nicht mehr trotz Deutschland, sondern wieder wegen Deutschland.

Volker Schilling, Greiff capital

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