Photon-Anleihegläubiger vor weitreichenden Zugeständnissen gewarnt – WebCall am 17. August zur Interessenbündelung

Die Berliner Kanzlei Schirp Schmidt-Morsbach ruft Inhaber der Photon-Energy-Anleihe 2021/27 zur Abstimmung und Vernetzung auf.

Hintergrund sind ausbleibende Zinszahlungen, fehlende Transparenz und die angekündigte Restrukturierung.

Die Krise bei der niederländischen Photon Energy N.V. spitzt sich nach Einschätzung der auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei Schirp Schmidt-Morsbach weiter zu. Betroffen ist insbesondere die 6,5%-Unternehmensanleihe 2021/27 (DE000 A3KWKY 4). Die Berliner Rechtsanwälte rufen Anleihegläubiger dazu auf, ihre Interessen frühzeitig zu koordinieren und Restrukturierungsmaßnahmen kritisch zu begleiten.

Auslöser sind mehrere Entwicklungen der vergangenen Monate: Photon Energy hat die Zinszahlungen für das erste und zweite Quartal 2026 ausgesetzt und wolle nach eigenen Angaben auch die für den 23. August fällige Kuponzahlung verschieben. Als Begründung verweist die Gesellschaft auf den Erhalt der Liquidität. Zudem steht der testierte Jahresabschluss 2025 weiterhin aus.

Parallel hat Photon Energy ein schriftliches Umlaufverfahren eingeleitet, in dem unter anderem ein gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger bestellt sowie eine unabhängige Unternehmensbewertung vorbereitet werden soll. Nach Auffassung von Schirp könnten auf Grundlage dieser Bewertung später weitreichende Sanierungsmaßnahmen bis hin zu einem Haircut zulasten der Anleihegläubiger vorgeschlagen werden.

Aktie und Anleihe der Photon haben unisono rund 90% an Wert eingebü0t

Aktie und Anleihe der Photon haben unisono rund 90% an Wert eingebü0t

Die Kanzlei sieht dabei erhebliche Interessenkonflikte zwischen Eigen- und Fremdkapitalgebern. Während Aktionäre grundsätzlich ein Interesse an einer möglichst schonenden Sanierung des Unternehmens hätten, bestehe die Gefahr, dass die Lasten einer Restrukturierung vor allem auf die Anleihegläubiger verlagert würden.

Kritik übt Schirp außerdem an der Kommunikation der Gesellschaft. So fehle seit längerem ein aktiver Investor-Relations-Dialog, wichtige Fragen blieben unbeantwortet und der ausstehende Jahresabschluss erschwere Anlegern eine realistische Einschätzung der wirtschaftlichen Lage.

Auch das laufende Abstimmungsverfahren bewertet die Kanzlei kritisch. Anleger sollten wesentliche Rechte auf einen gemeinsamen Vertreter übertragen, dessen Kandidatur nach Darstellung von Schirp ausschließlich von der Gesellschaft vorgeschlagen worden sei. Einfluss auf die Auswahl der Restrukturierungsberater hätten die Gläubiger ebenfalls nicht.

Darüber hinaus verweist die Kanzlei auf mögliche formale Mängel. So seien umfangreiche Unterlagen ausschließlich in englischer Sprache veröffentlicht worden, obwohl die Anleihebedingungen nach Auffassung der Kanzlei die deutsche Sprache vorsehen. Auch die vorgesehene pauschale Vergütung des gemeinsamen Vertreters stehe möglicherweise nicht im Einklang mit der jüngsten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs.

Dr. Wolfgang Schirp

Vor diesem Hintergrund lädt Schirp betroffene Anleger zu zwei kostenlosen Videokonferenzen ein, in denen die rechtliche Situation und mögliche Handlungsoptionen erläutert werden sollen: Die deutschsprachige Veranstaltung findet am 17. August um 17 Uhr, die englischsprachige am 18. August statt. Neben den Anwälten der Kanzlei werde auch Finanzjournalist Christian Schiffmacher von fixed-income.org teilnehmen.

Die Partner der Kanzlei Schirp Schmidt-Morsbach Rechtsanwälte PartG mbB sind seit 1994 juristisch tätig und sind auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisiert. Bei Anleiherestrukturierungen hat die Kanzlei wiederholt das Amt des Gemeinsamen Vertreters übernommen, unter anderem in den Verfahren Infinus und René Lezard. Zudem verfügt die Kanzlei über Erfahrung in der Auseinandersetzung mit Restrukturierungsszenarien, bei denen Anlegerinteressen aus ihrer Sicht nicht ausreichend berücksichtigt wurden, wie zum Beispiel bei der Sympatex-/Smart Solutions-Anleihe.

———-

BondGuide nutzt KI zum Orthografie-Check sowie bei Bildern, Kollagen oder Grafiken.

! NEU ! Die erste BondGuide Jahresausgabe 2026 ist erschienen (12.Mai): ‚Green & Transition Finance 2026‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.

Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !