
Die DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management begrüßt die staatlich flankierte kapitalgedeckte Altersvorsorge ausdrücklich. Sie ist ein wichtiges Signal für die weitere Entwicklung einer Finanzmarktkultur in Deutschland und ermöglicht breiten Bevölkerungsschichten, über den Aktienmarkt an den Erträgen der Realwirtschaft teilzuhaben.
Neben der Anlage von Vorsorgegeldern besteht ein weiteres wichtiges Ziel darin, die entstehenden Mittelflüsse mit der Realwirtschaft zu verzahnen. Auf europäischer Ebene hat sich hierfür der Begriff der „Spar- und Investitionsunion“ (SIU) etabliert. Ziel muss es sein, einen breiten und tiefen europäischen Kapitalmarkt zu entwickeln, der für Unternehmen eine attraktive und verlässliche Finanzierungsquelle darstellt. Dadurch könnten auch wieder mehr Unternehmen für einen Börsengang gewonnen werden.
„Kontinuierliche Mittelzuflüsse in die Märkte sind von großer Bedeutung. Sie schaffen eine erhöhte Finanzierungssicherheit und geben Unternehmen die Möglichkeit, über die Aufnahme von Kapital Investitionen und Innovationen umzusetzen und neue Arbeitsplätze zu schaffen“, erklärt Thorsten Müller, Vorstandsvorsitzender der DVFA.
Die derzeitige Ausgestaltung der staatlich geförderten kapitalgedeckten Altersvorsorge berücksichtigt diese realwirtschaftliche Funktion des Kapitalmarktes allerdings nur eingeschränkt.
Nach heutigem Stand ist davon auszugehen, dass die Vorsorgegelder überwiegend in global anlegende passive ETFs fließen werden. Dies birgt einen wesentlichen Nachteil: Aufgrund ihrer Gewichtung fokussieren sie sich auf wenige hochkapitalisierte Konzerne, sogenannte Mega Caps, vornehmlich aus den USA. Das heißt, alle anderen börsennotierten Unternehmen respektive Börsenkandidaten sind von diesen Mittelzuflüssen abgeschnitten.
Die Vorsorgegelder würden damit nahezu ausschließlich in wenige Blue-Chip-Aktien fließen. Das führt nicht nur zu einer geringen regionalen Diversifikation, sondern auch dazu, dass ein Großteil der Investmentströme in die USA und nicht nach Europa gelenkt wird. So besteht der populäre MSCI World derzeit zu reichlich 70% aus US-Werten. Der EU-27 Anteil beträgt etwa 11% und der Deutschland-Anteil nur bescheidene rund 2%.
Aus Sicht der DVFA wäre es wünschenswert, wenn staatlich geförderte Finanzprodukte für die kapitalgedeckte Altersvorsorge so ausgestaltet sind, dass ein angemessener Teil der Gelder in die deutschen und europäischen Aktienmärkte fließt. Volkswirtschaftlich sinnvoll und geboten wäre es zudem, auch kleinere und mittlere Unternehmen in den sogenannten Nebenwerte- und Wachstumssegmenten an diesen Kapitalströmen teilhaben zu lassen.
Thorsten Müller ergänzt: „Auf diese Weise könnte ein größerer und leistungsfähigerer Kapitalmarkt entstehen, der entsprechend seine volkswirtschaftlich wichtige Finanzierungsfunktion erfüllt und zusätzliche Wachstumsimpulse setzt. Die Bundesregierung verfügt über einen großen Instrumentenkasten, von steuerlicher Förderung bis hin zu Sonderzulagen. So könnte die Koalition gleichermaßen den heimischen und europäischen Kapitalmarkt sowie den für die Volkswirtschaft so wichtigen Mittelstand unterstützen. Das zuständige Bundesfinanzministerium sollte diese Chance nicht ungenutzt lassen.“
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