Konsumsektor bietet Chancen nur mit Augenmaß

Der Konsumsektor bleibt vom Nahostkonflikt und der Kaufzurückhaltung belastet. Chancen sieht DJE Kapital vor allem in ausgewählten Teilsegmenten.

Der Konsumsektor steht weiterhin unter Druck. Nach Einschätzung von Jörg Dehning, Analyst für die Konsumgüterbranche bei der DJE Kapital AG, belasten der anhaltende Iran-Krieg, gestiegene Energiepreise und eine schwächere Konsumstimmung zahlreiche Unternehmen. Umso wichtiger werde eine sorgfältige Auswahl einzelner Titel.

Auf einer viel beachteten Investorenkonferenz Anfang Juni in Paris habe sich gezeigt, dass viele Hersteller vorsichtiger auf die kommenden Monate blickten. Vor allem einkommensschwächere Verbraucher griffen verstärkt zu Handelsmarken, während Premiumprodukte bislang vor allem von kaufkräftigeren Kundengruppen getragen würden.

Besonders herausfordernd bleibe die Lage für Reinigungsmittelhersteller. Neben dem wachsenden Wettbewerb durch Eigenmarken belasteten steigende Rohstoff- und Verpackungskosten die Margen. Robuster entwickle sich dagegen die Kosmetikbranche. Premiumanbieter könnten höhere Kosten leichter über Preiserhöhungen und einen veränderten Produktmix weitergeben. Zudem profitierten sie von einer kaufkräftigen Kundschaft und einem dynamischen E-Commerce-Geschäft, das bei einzelnen Marktführern bereits mehr als 30% zum Umsatz beitrage. Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung stärkten zusätzlich die Innovationskraft.

Konsumgütersektor : Mode geht immer?!

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Als vergleichsweise widerstandsfähig beschreibt Dehning auch den Markt für Energy-Drinks. Neue Produktvarianten, zuckerfreie Angebote und preisgünstigere Zweitmarken erschlössen zusätzliche Kundengruppen. Gleichzeitig hätten viele Getränkehersteller ihre Rohstoffbeschaffung nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie besser abgesichert. Sollten die geopolitischen Spannungen allerdings länger anhalten, dürften auch diese Sicherungsmaßnahmen an Wirkung verlieren.

In der Modebranche dürften die Folgen steigender Rohstoff- und Transportkosten zeitversetzt sichtbar werden. Höhere Preise für Polyester und Baumwolle würden sich voraussichtlich erst mit den Frühjahrskollektionen 2027 stärker bemerkbar machen. Unternehmen mit kürzeren Lieferketten und einer stärkeren Beschaffung in Europa oder Nordafrika könnten dabei Wettbewerbsvorteile besitzen.

Als Gewinner eines schwierigen Konsumumfelds sieht Dehning zudem Offprice-Händler. Preisbewusste Verbraucher suchten gezielt nach Rabatten, während die Händler von günstigen Restposten und flexiblen Einkaufsstrategien profitierten.

Sein Fazit: Der Konsumsektor biete trotz des anspruchsvollen Umfelds interessante Anlagechancen. Angesichts der Belastungsfaktoren komme es jedoch stärker denn je auf eine sorgfältige Titelselektion an. Insbesondere Unternehmen mit Preissetzungsmacht, Innovationskraft und widerstandsfähigen Geschäftsmodellen dürften sich weiterhin besser entwickeln als der Gesamtmarkt.

Jörg Dehning, DJE Kapital AG

Jörg Dehning ist Analyst für die Konsumgüterbranche bei der DJE Kapital AG. Der Vermögensverwalter mit Sitz in Pullach zählt zu den etablierten unabhängigen Asset Managern im deutschsprachigen Raum.

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