Die KI-Gewinner sitzen in der Infrastruktur

Die KI-Welle rollt weiter – und mit ihr steigen Investitionen und Umsätze. DJE sieht die größten Chancen bei Infrastruktur und Chips.

Künstliche Intelligenz bleibt das dominierende Thema im Technologiesektor. Nach Einschätzung von Hagen Ernst, stellvertretender Leiter Research & Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG, wird die Geschwindigkeit der Entwicklung weiterhin unterschätzt. Vor allem die Investitionsoffensive der großen US-Technologiekonzerne und die zunehmende Monetarisierung von KI-Anwendungen verändern die Branche nachhaltig.

Die sogenannten Hyperscaler – darunter Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta – haben ihre Investitionspläne für 2026 nochmals angehoben. Zusammengenommen könnten die Ausgaben inzwischen auf 725 bis über 800 Mrd. USD steigen. Ein Großteil davon fließt direkt in KI-Infrastruktur, etwa in Rechenzentren, Netzwerktechnik, Kühlsysteme und Hochleistungschips.

Gleichzeitig gewinnt die Monetarisierung von KI deutlich an Dynamik. Unternehmen wie OpenAI und Anthropic verzeichnen laut Ernst inzwischen Milliardenumsätze aus Abonnements, Unternehmenslizenzen und KI-Dienstleistungen. Auch die Cloud-Plattformen der großen Technologiekonzerne profitieren zunehmend von der Nachfrage nach KI-Anwendungen.

Ki hilft bei der Infrastruktur

Als größte Gewinner sieht der Kapitalmarktexperte Unternehmen entlang der KI-Wertschöpfungskette. Besonders gefragt seien Hersteller von KI-Chips, Netzwerktechnik und Speicherlösungen. Vor allem moderne Hochleistungsspeicher hätten sich zuletzt zum Engpass entwickelt und deutliche Preissteigerungen verzeichnet.

Weniger eindeutig ist die Lage bei klassischen Softwareanbietern. Hier wächst die Sorge, dass neue KI-Anwendungen bestehende Geschäftsmodelle unter Druck setzen könnten. Allerdings hält Ernst eine vollständige Verdrängung etablierter Anbieter mit komplexen Unternehmenslösungen für wenig wahrscheinlich.

Trotz aller Euphorie verweist der DJE-Experte auch auf Risiken. Technologische Fortschritte könnten bestehende Engpässe beseitigen und damit einzelne Gewinnerbranchen unter Druck setzen. Beispiele seien effizientere KI-Chips oder neue Verfahren zur Reduzierung des Speicherbedarfs großer Sprachmodelle.

Sein Fazit: Nicht jeder Profiteur der KI-Euphorie werde automatisch zu den langfristigen Gewinnern gehören. Entscheidend sei vielmehr, wer eine schwer ersetzbare Position innerhalb der KI-Infrastruktur und der Wertschöpfungskette besetze.

Hagen Ernst, DJE

Hagen Ernst ist stellvertretender Leiter Research & Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG. Die Pullacher Vermögensverwaltung betreut rund 17,3 Mrd. EUR und zählt zu den etablierten unabhängigen Asset Managern im deutschsprachigen Raum.

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