
Industriepolitik erlebt weltweit ein Comeback. Für Anleger wird damit die Qualität staatlicher Förderung wichtiger als deren Umfang.
Ob Halbleiter, Künstliche Intelligenz oder Energietechnologien: Staaten rund um den Globus greifen wieder verstärkt zu Subventionen, um strategische Industrien zu fördern. Für Anleger eröffnet das Chancen, erhöht aber zugleich die politischen Risiken. Darauf weist Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, hin.
Laut Daten der OECD erreichten die staatlichen Fördermaßnahmen in 15 Schlüsselbranchen zuletzt ein Volumen von rund 108 Mrd. USD – so viel wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Besonders prominent sind der amerikanische CHIPS Act sowie die europäischen Förderprogramme für Halbleiter und Zukunftstechnologien.
Für Fischer ist dabei nicht die Höhe der Subventionen entscheidend, sondern deren Qualität. Staatliche Eingriffe könnten durchaus sinnvoll sein, etwa zur Förderung von Innovationen, beim Aufbau neuer Industrien oder zur Stärkung strategischer Lieferketten. Historische Erfahrungen zeigten jedoch, dass die Wirkung häufig begrenzt sei.
So verweist der Kapitalmarktexperte auf Analysen des Internationalen Währungsfonds, wonach industriepolitische Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit zwar kurzfristig stärken können, die Effekte jedoch oft nicht dauerhaft anhalten. Besonders problematisch werde es, wenn Subventionen über längere Zeiträume zu Überkapazitäten, sinkender Produktivität oder einer Fehlallokation von Kapital führten.
Als Beispiel nennt Fischer China, wo staatliche Unterstützung in strategischen Branchen seit Jahren eine zentrale Rolle spielt. Gleichzeitig hätten inzwischen auch die USA, Europa und Japan ihre industriepolitischen Ambitionen deutlich ausgeweitet.
Kritisch sieht der Moventum-Experte dagegen Überlegungen zu pauschalen Kürzungen staatlicher Förderprogramme. Eine undifferenzierte Reduzierung nach dem Rasenmäherprinzip könne dazu führen, dass sowohl ineffiziente als auch strategisch wichtige Programme gleichermaßen betroffen seien.
Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Diversifikation gewinnt weiter an Bedeutung. Mit der zunehmenden Rolle staatlicher Eingriffe würden politische Entscheidungen stärker über Gewinner und Verlierer einzelner Branchen entscheiden. Wer Risiken begrenzen wolle, sollte daher Abhängigkeiten von einzelnen Regionen, Industrien oder Förderprogrammen vermeiden.
Thorsten Fischer ist Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum Asset Management (Moventum AM). Der Luxemburger Vermögensverwalter betreut Fonds- und Vermögensverwaltungslösungen für private und institutionelle Anleger.
—————-
! NEU ! Die erste BondGuide Jahresausgabe 2026 ist erschienen (12.Mai): ‚Green & Transition Finance 2026‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.
Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !

