
Jeder dritte deutsche Nationalspieler steht im WM-Jahr 2026 bei einem ausländischen Klub unter Vertrag – 2010: Null.
Drei Jahrzehnte nach dem Bosman-Urteil hat sich der internationale Fußball grundlegend verändert. Während 1990 nur gut jeder vierte WM-Spieler bei einem Verein im Ausland unter Vertrag stand, liegt der Anteil der sogenannten Legionäre bei der WM 2026 inzwischen bei 72%. Das geht aus einer aktuellen Auswertung von DataPulse Research hervor, die die Folgen der Liberalisierung des europäischen Arbeitsmarkts für Fußballprofis untersucht.
Für die deutsche Nationalmannschaft zeigt sich dabei ein bemerkenswerter Trend. Nach dem WM-Viertelfinal-Aus 1994 nahm die Zahl der im Ausland aktiven Nationalspieler zunächst kontinuierlich ab. Ihren Tiefpunkt erreichte die Entwicklung bei der WM 2010 in Südafrika: Damals stand kein einziger deutscher Nationalspieler bei einem ausländischen Klub unter Vertrag.
Seither hat sich das Bild wieder deutlich gewandelt. Im aktuellen WM-Kader 2026 spielt inzwischen rund jeder dritte deutsche Nationalspieler im Ausland. Zu den bekanntesten Beispielen zählen Antonio Rüdiger bei Real Madrid oder Florian Wirtz beim FC Liverpool. Die DFB-Auswahl bringt damit wieder deutlich mehr internationale Erfahrung auf den Platz als noch vor anderthalb Jahrzehnten.
Auslöser der Entwicklung war das berühmte Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 1995. Es hob die bisherigen Ausländerbeschränkungen im europäischen Profifußball weitgehend auf und stellte Fußballprofis arbeitsrechtlich mit anderen Arbeitnehmern gleich. Seitdem können Vereine ihre Kader deutlich internationaler zusammenstellen.
Auch die Bundesliga hat sich stark verändert. Der Anteil von Spielern aus dem Ausland oder mit Migrationshintergrund liegt inzwischen bei rund 73% und damit nahezu auf dem Niveau der italienischen Serie A. Bereits 2002 überschritt die Bundesliga erstmals die Marke von 60%.
Noch internationaler präsentiert sich lediglich die französische Ligue 1 mit einem Anteil von 88%. Vergleichsweise national bleibt dagegen die spanische La Liga, wo der Anteil zuletzt bei lediglich 45% lag.
Ob eine besonders internationale Mannschaft automatisch erfolgreicher ist, lässt sich aus den Daten allerdings nicht ableiten. Sowohl Nationalteams mit vielen Legionären als auch Mannschaften, deren Spieler überwiegend in der heimischen Liga aktiv waren, konnten in den vergangenen Jahrzehnten Weltmeisterschaften gewinnen.
Fest steht jedoch: Die deutsche Nationalmannschaft hat sich nach Jahren der Konzentration auf die Bundesliga wieder stärker international ausgerichtet – und folgt damit einem globalen Trend im modernen Spitzenfußball.
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