
Deutschland braucht mehr Wachstumskapital und weniger Bürokratie, um Innovationen und Mittelstand zu stärken.
Statt immer neue Krisenszenarien für den Standort Deutschland zu zeichnen, sollte der Blick stärker auf funktionierende Bereiche der Wirtschaft gelenkt werden. Dafür plädiert Björn Glück, Partner und Portfolio Manager bei Lupus alpha, in einem aktuellen Marktkommentar. Sein Appell: Mehr Freiräume für Unternehmen und ein besserer Zugang zu Wachstumskapital.
Deutschland kämpfe derzeit mit hohen Energiepreisen, Inflation, schwacher Konjunktur und zunehmendem Wettbewerbsdruck. Viele Probleme seien jedoch hausgemacht. Deutschland neige zu übermäßiger Regulierung, langwierigen Genehmigungsverfahren und hoher Risikoaversion.
Gerade der innovative Mittelstand zeige jedoch, dass Krisen auch Chancen eröffnen können. Viele deutsche Small und Mid Caps hätten bewiesen, dass sie flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren und neue Geschäftsfelder erschließen können.
Der wirtschaftliche Strukturwandel spiegele sich auch an der Börse wider. Unternehmen aus traditionellen Branchen wie Automobil oder Chemie verlören zunehmend an Bedeutung, während Technologiefelder an Gewicht gewinnen. Firmen wie Aixtron, Jenoptik oder SUSS MicroTec profitieren laut Glück von der steigenden Nachfrage nach Halbleitern und KI-Anwendungen.
Auch klassische Industrieunternehmen wie Deutz, Knorr-Bremse oder der Großküchenspezialist Rational behaupteten sich erfolgreich im aktuellen Umfeld. Im Energiesektor sieht Glück Unternehmen wie Nordex, SMA Solar oder 2G Energy gut positioniert – nicht zuletzt durch den weltweit steigenden Energiebedarf etwa durch Rechenzentren.
Besonderes Potenzial sieht Lupus alpha zudem bei deutschen Start-ups. Im vergangenen Jahr wurden laut Kommentar rund 3.560 Tech-Unternehmen gegründet – knapp 30% mehr als im Vorjahr. Wachstumsmärkte seien unter anderem Defense Tech, Space Tech, Fusionsenergie oder humanoide Robotik.
Als Beispiele nennt Glück Unternehmen wie Helsing, Isar Aerospace, Proxima Fusion oder Neura Robotics.
Zentrale Herausforderung bleibe jedoch die Finanzierung. Während in den USA pro Kopf rund 520 EUR Venture Capital investiert würden und in Frankreich 108 EUR, liege Deutschland mit lediglich 90 EUR deutlich dahinter.
Dabei sei Kapital vorhanden: Versicherungen verwalteten rund 2 Bio. EUR, hinzu kämen rund 700 Mrd. EUR bei Pensionskassen. Zusätzlich würden jährlich rund 300 Mrd. EUR neu angelegt.
Positiv bewertet Glück aktuelle Entwicklungen am Finanzierungsmarkt. Laut einer Studie der KfW sammelten deutsche Start-ups im ersten Quartal 1,7 Mrd. EUR ein – ein Plus von 6% gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte des Kapitals floss dabei in KI-Anwendungen.
Neben mehr Wachstumskapital fordert Glück vor allem einen schnelleren Bürokratieabbau. Laut Koalitionsvertrag sollen die Bürokratiekosten für Unternehmen um ein Viertel beziehungsweise rund 16 Mrd. EUR sinken.
„Unsere Unternehmen können es. Man muss sie nur machen lassen“, lautet das Fazit des Portfolio-Managers.
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