Bitcoin: 60k im Rückblick als Fundament des nächsten Bullenzyklus?

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Nach einem historischen Lauf auf 126.110 USD im Oktober 2025 steht Bitcoin nun im Jahr 2026 an einem Scheideweg: Ausgedehnte Bärenphase oder Konsolidierung vor dem nächsten strukturellen Aufstieg? Der jüngste Bitcoin-Abpraller auf über 72.200 USD scheint von kurzer Dauer gewesen zu sein, und die größte Kryptowährung befindet sich in einer vertrauten, aber unangenehmen Lage: der Unsicherheit nach dem Gipfel. Diese langsame Erosion des Vertrauens kann destabilisierender wirken als ein heftiger Absturz. Der aktuelle Marktkommentar von Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares & Income Shares:

Dennoch erscheint der Schaden im Vergleich zu früheren Zyklen begrenzt. Bitcoin fiel vom Allzeithoch bis zum jüngsten Tief um mehr als 52%. Das ist schmerzhaft, aber weit entfernt von den Einbrüchen von 75 bis 85%, die frühere Krypto-Winter definierten. Größere Liquidität, tiefere Derivatemärkte und die strukturell verankerte Beteiligung institutioneller Anleger haben die Marktstruktur grundlegend verändert.

Der Vier-Jahres-Zyklus deutet auf einen Wendepunkt im Jahr 2026 hin
Die zentrale Debatte zu Jahresbeginn: Bestimmt Bitcoins historisch zuverlässiger Vier-Jahres-Halving-Zyklus das Preisgeschehen noch immer? Das letzte Bitcoin-Halving fand im April 2024 statt und reduzierte die Mining-Belohnungen auf 3,125 Bitcoins. Historisch gesehen gingen Halvings starken Bullenmärkten voraus, auf die scharfe Rücksetzer folgten. Die Dauer dieser Bullenmärkte betrug etwa ein Jahr und fünf bis sechs Monate vom Halving bis zum Höchststand vor dem Abschwung, während die folgenden Bärenmärkte etwa ein Jahr dauerten. Projektionen legen nahe, dass Bitcoin im Oktober 2025 seinen Höhepunkt erreichte (genau ein Jahr und sechs Monate nach dem Halving im April 2024), was mit früheren Zyklen übereinstimmt. In Bezug auf die Preisentwicklung gilt: Da der Bitcoin-Preis über die Jahre gestiegen ist, hat der prozentuale Gewinn jedes nachfolgenden Bullenmarktes nach den Halvings abgenommen, während die Bärenmärkte typischerweise zwischen 75 und 85% fielen.

Nun stellt sich die große Frage: Da jeder Bullentrend nach einem Halving bisher etwa eineinhalb Jahre dauerte und jeder darauffolgende Bärentrend ein Jahr anhielt und um mehr als 75% einbrach – können wir, wenn wir dieses Muster auf den jüngsten Zyklus extrapolieren, schlussfolgern, dass Bitcoin bis Oktober 2026 wahrscheinlich auf 30.000 USD fallen wird? Dies entspräche einem Abwärtstrend von 75% ausgehend vom Allzeithoch über einen Zeitraum von einem Jahr.

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Obwohl diese Analogie perfekt zum Timing und Ausmaß früherer großer Abwärtstrends passen würde, gibt es einen wichtigen Vorbehalt: Erstens verlief der letzte Bullrun viel gedämpfter als Frühere. Zweitens fiel der Kurs, obwohl jeder vorangegangene Abwärtstrend prozentual deutlich einbrach, auf Wochenschlusskursbasis nie unter den Preis, den Bitcoin am Tag des Halvings hatte. Diese Fakten sind ermutigend für die Bullen und legen nahe, dass – sofern Konsistenz mit früheren Zyklen besteht – eine gute Wahrscheinlichkeit besteht, dass Bitcoin bei 60.000 US-Dollar seinen Boden gefunden hat.

Ein weiteres ermutigendes Zeichen für das bullische Szenario ist der aktuelle Stand des wöchentlichen Relative Strength Index (RSI). In früheren Zyklen fielen die großen Böden der Abschwünge mit RSI-Werten zwischen 26 und 29% zusammen, während der heutige wöchentliche RSI bei 28% liegt. Allerdings könnte sich noch eine bullische Divergenz zwischen dem Preis und dem RSI bilden, bevor der Abwärtstrend dreht (wie es 2022 der Fall war), was implizieren würde, dass Bitcoin von hier aus noch weiter fallen könnte. Dennoch ging nur mit einem Boden seit der Entstehung von Bitcoin eine bullische Divergenz im Wochendiagramm einher. All dies deutet darauf hin, dass Bitcoin entweder am Anfang steht oder nicht weit davon entfernt ist, einen bedeutenden Boden zu bilden. Im schlimmsten Fall könnte bei einem anhaltenden Rückgang bis Oktober 2026 der Kurs auf 50.000 USD absinken. Sollte dieses Unterstützungsniveau in den kommenden Monaten halten, können wir mit größerer Zuversicht erklären, dass der Abwärtstrend vom Hoch im Oktober 2025 beendet ist und sich der Bitcoin-Preis wahrscheinlich für einige Monate konsolidieren wird.

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Dieser Zyklus unterscheidet sich in wichtigen Punkten. Im Gegensatz zu früheren Spitzenwerten erreichte Bitcoin nie die euphorischen Extreme, die typischerweise mit Zyklus-Tops verbunden sind. Das deutet darauf hin, dass der aktuelle Abschwung wahrscheinlich nicht das Ausmaß früherer Rückgänge erreichen wird. Der Vier-Jahres-Rhythmus mag noch intakt sein, wird aber zunehmend von institutionellen ETF-Flüssen überlagert, welche die Volatilität dämpfen und historische Analogien erschweren.

Digitales Gold oder Wachstums-Proxy?
Die Identität von Bitcoin bleibt zentral für den Ausblick 2026. Wenn es digitales Gold ist, sollte es in Zeiten von Geldentwertung, Inflationsschocks oder systemischem Stress am besten abschneiden. Wenn es primär ein Wachstums-Asset ist, wird es weiterhin mit dem Nasdaq-Beta und der allgemeinen Risikostimmung korrelieren.

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Das jüngste Preisverhalten deutet auf eine Abweichung von beiden Interpretationen hin, da der Nasdaq und Gold nahe Rekordhochs notieren. Die Volatilität von Bitcoin im Vergleich zu Gold ist jedoch auf Rekordtiefs gefallen und auf einer volatilitätsbereinigten Basis schneidet er zunehmend vorteilhaft ab. Auch wenn er vielleicht noch nicht als Krisenabsicherung fungiert, halten seine strukturelle Knappheit, das begrenzte Angebot und das sich verbessernde Volatilitätsprofil die These vom digitalen Gold über einen mehrjährigen Horizont glaubwürdig. Der Übergang vom spekulativen Wachstums-Asset zur reifen monetären Alternative geschieht nicht sofort. Er erfolgt schrittweise und 2026 könnte sich als ein Übergangsjahr in dieser Entwicklung erweisen.

ETFs und Institutionalisierung bieten strukturelle Unterstützung
Das ETF-Ökosystem ist deutlich gereift, wenn auch nicht ohne Reibungen. Im vierten Quartal 2025 verzeichneten Bitcoin-ETFs Abflüsse von rund 0,9 Mrd. USD bei einem Gesamtvermögen von 56 Mrd. USD. Jüngere Handelstage verzeichneten jedoch wieder Nettozuflüsse, was darauf hindeutet, dass der institutionelle Appetit zwar abgekühlt, aber nicht zusammengebrochen ist.

Bitcoin in USD; Quelle: Onvista Media GmbH

Wichtiger noch: Die institutionelle Akzeptanz geht weit über ETFs hinaus. Zentralbanken, Staatsfonds und große Stiftungen haben ihr Engagement in digitalen Vermögenswerten weiter ausgebaut. Im Gegensatz zu früheren Zyklen, die von Spekulationen durch Kleinanleger dominiert wurden, ist das aktuelle Umfeld zunehmend geprägt von strategischen Akkumulationen bei Schwäche statt von panikgetriebenen Liquidationen. Kurzfristige Volatilität macht daher die längerfristige monetäre Entwicklung von Bitcoin nicht ungültig. Das Thema der Institutionalisierung bleibt intakt und stellt wohl die wichtigste strukturelle Veränderung im Vergleich zu früheren Zyklen dar.

Ein bedeutender Boden im Entstehen
Bitcoin tritt im Jahr 2026 in einer anderen Verfassung an als in früheren Abschwüngen. Während das Preisgeschehen volatil und die Stimmung fragil bleibt, sind die strukturellen Fundamente des Assets stärker als zu jedem anderen Zeitpunkt in seiner Geschichte.

Die 60.000-Dollar-Marke ist mehr als nur eine technische Unterstützung; sie stellt den „Halving-Anker“ dieses Zyklus dar. Die Anzeichen häufen sich, dass Bitcoin entweder gerade ein bedeutendes zyklisches Tief bildet oder sehr kurz davor steht.

Selbst in einem konservativen Szenario erscheint das Abwärtsrisiko begrenzter als in vergangenen Zyklen, gestützt durch institutionelles Kapital, ETF-Infrastruktur und globale Liquidität. Bitcoin wird in naher Zukunft vielleicht keine explosive vertikale Rallye liefern. Aber 2026 ähnelt zunehmend einem Übergangsjahr – einem Jahr, das Positionierungen zurücksetzt, Überzeugung neu aufbaut und das Fundament für den nächsten großen strukturellen Aufstieg legt.

Violeta Todorova, Leverage Shares & Income Shares

Der langfristige Trend weist weiterhin nach oben. Die Knappheit ist intakt. Die Akzeptanz schreitet voran. Der institutionelle Besitz vertieft sich. Und wenn die Geschichte sich reimt – auch wenn sie sich nicht exakt wiederholt –, werden die nächsten Jahre wahrscheinlich ein neues Rekordhoch weit über 180.000 USD hervorbringen. In diesem Sinne mag 60.000 USD vielleicht nicht der absolute Tiefpunkt sein, aber es könnte durchaus als das Fundament des nächsten Bullenzyklus in Erinnerung bleiben.

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