
Klimagelder der COP 30 müssten dort ansetzen, wo die Folgen des Klimawandels längst Teil des Alltags sind: in den Unternehmen. Von Dr. Johannes Feist*
Bei COP 30 in Belém geht es darum, wie Milliarden für Klimaschutz und Klimaanpassung wirksam eingesetzt werden. Entscheidend ist nicht nur, dass Zusagen gemacht werden, sondern dass die Mittel schnell, transparent und lokal in konkrete Investitionen auf Unternehmensebene fließen und damit auch in Europa und Deutschland Wirkung zeigen.
Klimafinanzierung entfaltet dort ihre Wirkung, wo die Folgen des Klimawandels längst Teil des Alltags sind: in der Landwirtschaft, bei kleinen und mittleren Unternehmen und in regionalen Versorgungsstrukturen. Zentralasien zeigt exemplarisch, wie sich diese Herausforderungen konkret auswirken und welche Folgen zu langsame Finanzierungsprozesse haben können.
Wasserknappheit, schwankende Erträge und eine anfällige Energieversorgung setzen dort schon heute vielen Unternehmen zu. Was sich in dieser Region beobachten lässt, steht sinnbildlich für das, was auch Europa und Deutschland zunehmend betrifft: die Notwendigkeit, Finanzierungen schneller, lokaler und praxisnäher umzusetzen.
Das Problem ist nicht die Zahl der Programme, sondern ihr Tempo. Internationale Klimafonds und Entwicklungsbanken stellen zwar erhebliche Mittel bereit, doch bis sie vor Ort ankommen, vergehen oft Jahre. Evaluierungen der OECD und der unabhängigen Evaluierungseinheit des Green Climate Fund (IEU) zeigen, dass zwischen Zusage beziehungsweise Board-Beschluss und der ersten Auszahlung häufig lange Zeit vergeht. In dieser Phase fehlt den Unternehmen das Kapital für dringend notwendige Umrüstungen.
Klimafinanzierung wird wirksam, wenn sie auf der Unternehmensebene ansetzt und sich auf kleine, klar strukturierte Investitionen konzentriert, die sich schnell umsetzen lassen. Beispiele sind effizientere Bewässerung, sparsame Pumpensysteme oder Photovoltaik für den Eigenbedarf. Dafür braucht es klare Kriterien, schlanke Verfahren und lokale Entscheidungen mit transparentem Monitoring, damit Mittel zügig dort ankommen, wo sie gebraucht werden.
Großprojekte können ergänzen, nehmen aber selten den akuten Druck in Landwirtschaft und Mittelstand. Entscheidend sind Finanzierungen, die Cashflows und Planungssicherheit in den Unternehmen stabilisieren, Ressourcen schonen und Entscheidungsspielräume erhalten, anstatt neue Abhängigkeiten zu schaffen.
Der Maßstab ist nicht die Höhe der Zusagen, sondern die sichtbaren Verbesserungen, die sie bewirken: robustere Unternehmen, stabilere lokale Strukturen und eine widerstandsfähigere Wirtschaft insgesamt. Zentralasien steht exemplarisch dafür, dass Klimafinanzierung Wirkung nur entfaltet, wenn sie schnell, transparent und lokal erfolgt. Eine Lehre, die auch für Europa und Deutschland gilt. Genau daran sollte sich die Debatte in Belém messen lassen.
*) Dr. Johannes Feist gründete 2020 die Beratungsfirma JF Investment Advisory. Seit September 2022 ist er Chief Executive Officer von Mikro Kapital Management S.A. in Luxemburg. Feist ist Experte für Entwicklungsfinanzierung mit langjähriger Erfahrung in M&A, Restrukturierungen und in Geschäftsmodellen öffentlicher, privater und gemeinnütziger Institutionen.
——————-
! NEU ! Die erste BondGuide Jahresausgabe 2025 ist erschienen (12. Jun.): ‚Green & Sustainable Finance 2025‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.
Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !


