Petrodollar unter Druck – und Chinas kalkulierte Einflussnahme

Der Konflikt im Iran könnte das Petrodollar-System gefährden und China eine goldene Gelegenheit bieten.

Der Petrodollar könnte ins Wanken geraten, da der Krieg gegen den Iran die USA strategisch teuer zu stehen kommen könnte. Thorsten Fischer, Managing Director bei Moventum AM, betont, dass die USA und ihre Verbündeten nicht nur mit steigenden Ölpreisen und Inflation konfrontiert sind, sondern auch mit der Erosion einer ihrer Säulen im internationalen Handel. China könnte der größte Profiteur dieser Krise werden, falls der Yuan als Alternative zum US-Dollar im Welthandel etabliert werde.

China geht mit einer Strategie der Geduld vor. Während die USA erheblich in militärische Ressourcen investieren, inszeniert sich China als stabile Alternative. Fischer erklärt, dass sich strategische Wettbewerber wie China in einem geopolitischen Zeitfenster befinden, das ihnen neue Möglichkeiten eröffne, ohne direkt militärisch einzugreifen.

Gleichzeitig wächst die Nervosität innerhalb der Golfregion. Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate diskutieren die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts. Fischer hebt hervor, dass steigende Verteidigungs- und Sicherheitskosten sowie mögliche Störungen von Handelsströmen im Fokus stehen. Einige Golfstaaten überprüfen bereits laufende Investitionen, um sich vor potenziellen wirtschaftlichen Schäden abzusichern.

Der Konflikt um den Iran erschüttert auch das Petrodollar-System

Der Konflikt um den Iran erschüttert auch das Petrodollar-System

Diese Überlegungen könnten erhebliche Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte haben. Die Staatsfonds der Golfmonarchien gehören zu den größten Kapitalsammelstellen der Welt und könnten bei einer Neubewertung ihrer Investitionen in den USA die Märkte destabilisieren. Fischer warnt, dass ein solches Umdenken die Zusammenarbeit mit den USA gefährden könne.

Historisch gesehen bilden die Golfmonarchien das Fundament des Petrodollar-Systems. Fischer erklärt, dass seit den 1970er Jahren ein Großteil des internationalen Ölhandels in US-Dollar abgewickelt wird. Sollten zentrale Energieexporteure jedoch ihre wirtschaftlichen Beziehungen diversifizieren, könnte dies die globale Währungsarchitektur verändern.

China hat sich auf diese Entwicklung vorbereitet, indem es mit der Belt-and-Road-Initiative ein umfassendes Infrastruktur-Netzwerk aufgebaut hat. Zudem hat China mit dem internationalen Zahlungssystem CIPS eine Plattform geschaffen, die grenzüberschreitende Transaktionen außerhalb der klassischen SWIFT-Strukturen ermöglicht.

Ein symbolischer Schritt war, dass Saudi-Arabien 2023 begann, einen Teil seiner Ölverkäufe an China in chinesischer Währung abzuwickeln. Auch wenn dies aktuell nur begrenzte Volumen betrifft, zeigt es, dass sogar zentrale Akteure des bisherigen Systems alternative Optionen prüfen.

Thorsten Fischer, Moventum AM

Während die USA in militärische Konflikte investieren, konzentriert sich China auf wirtschaftliche Integration. Fischer hebt hervor, dass Chinas strategischer Ansatz weniger auf direkte Konfrontation, sondern auf langfristige wirtschaftliche Verflechtungen abziele. In diesem Kontext könnte Pekings strategische Geduld im aktuellen Konflikt eine kalkulierte Form der Einflussnahme darstellen.

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