
Die steigenden Öl- und Gaspreise bringen die Zinspolitik und damit früher oder später auch die Bauzinsen ins Wanken.
Die Lage an den Kapitalmärkten wird wieder volatiler, da die Öl- und Gaspreise in den letzten Tagen deutlich angestiegen sind. Vor dem Hintergrund des Konflikts im Nahen Osten wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) laut Geldmarktexperten größer. Der Markt preist bereits bis zu zwei Zinsschritte bis Jahresende ein, wobei der erste Schritt eventuell schon im Juni erfolgen könnte. EZB-Vertreter betonen jedoch, dass die Entscheidungen datenabhängig und vorsichtig getroffen werden.
Parallel dazu bleibt die US-Notenbank (FED) in Wartestellung. Die Arbeitsmarktdaten für Februar überraschten negativ, was zu einer rückläufigen Beschäftigung und leicht steigenden Arbeitslosenquote führte. Experten gehen davon aus, dass die FED am 17./18. März eine Zinspause einlegen wird. Allerdings zeigen Protokolle und Statements, dass es unterschiedliche Meinungen innerhalb der FED gibt, und einige Mitglieder eine restriktivere Option nicht ausschließen.
Die Inflationslage zeigt sich moderat. In Deutschland stiegen die Verbraucherpreise im Februar um 1,9% im Vergleich zum Vorjahr, während die Kerninflation bei etwa 2,5% liegt. Auch im Euroraum betrug die Inflationsrate im Februar 1,9%. Diese moderaten Zahlen stehen jedoch dem akuten Energiepreisschock gegenüber, der kurzfristig zu höheren Teuerungsraten führen könnte. Ökonomen warnen vor einem stagflationären Risiko, sollten die hohen Energiepreise länger anhalten.
Antonio Skoro, Geschäftsführer der Qualitypool GmbH, erklärt, dass die aktuelle Situation von zwei gegenläufigen Kräften geprägt sei. Während die moderate Gesamtinflation tendenziell für stabile bis leicht sinkende Kapitalmarktrenditen spricht, erhöht der Anstieg der Energiepreise das Risiko kurzfristiger Zinsanstiege. Bisher sind keine signifikanten Auswirkungen auf die Baufinanzierungszinsen erkennbar. Die Bestzinsen für zehnjährige Zinsbindungen liegen weiterhin bei ca. 3,4%, während für fünfzehnjährige Zinsbindungen etwa 3,7% verlangt werden.
Für potenzielle Finanzierungskunden empfiehlt Skoro, bestehende Angebote zeitnah zu prüfen und abhängig von ihrer Risikoneigung eine angemessene Zinsbindung zu wählen. Interessenten ohne Zeitdruck, die auf künftige Zinssenkungen setzen, sollten den Markt genau beobachten und ihre Unterlagen vorbereiten, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können.
In den kommenden Wochen erwartet Skoro ein erhöhtes Volatilitätsrisiko bei den Hypothekenzinsen. Die Auswirkungen der geopolitischen Lage auf die Zinspolitik könnten zwar volkswirtschaftlich eingeordnet werden, bleiben jedoch herausfordernd zu interpretieren.
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