„Restrukturierungssituationen? – erst braucht man Grips, dann Geduld“ – Exklusivinterview mit Ralf Meinerzag, Steubing German Mittelstand Fonds

Frankfurt Taunusanlage

BondGuide: Soll bedeuten: Wann müsste man eine Lezard dann kaufen?
Meinerzag: Wie Scholz wohl direkt nach dem Schuldenschnitt, bei Lezard also nach der vorgeschlagenen Ausschüttung von 35%. Da das Wertaufholkonzept natürlich genau verstanden werden muss.

BondGuide: Handeln Sie dann nochmal?
Meinerzag: Wenn sich die Gelegenheit ergibt. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir die Früchte unserer jüngsten Investitionsentscheidungen sogar erst noch ernten werden. Vielleicht muss man ein bis zwei Jahre warten, wie es bei Sanierungsvorhaben nun mal nicht unüblich ist. Aber wo hat man sonst im Anleihebereich Chancen auf Kursverdopplungen oder mehr? Erst braucht man Grips, dann Geduld. Das sieht man auch bei Windreich. Wir haben die Papiere im Schnitt bei 15% in das Fondsvermögen gekauft – der Insolvenzverwalter spricht von einer konservativen Quote von knapp über 30%. Die Verwertung mag dauern, aber das ist egal. Selbst wenn wir das Geld erst in zwei Jahren ausgezahlt bekommen, ist es immer noch eine sehr gute Rendite.

“ Ich bin recht zuversichtlich, dass wir die Früchte unserer jüngsten Investitionsentscheidungen sogar erst noch ernten werden.“

Ralf Meinerzag, CIO, SGMF I, Steubing AG

Ralf Meinerzag, CIO, SGMF I, Steubing AG

BondGuide: Was halten Sie generell vom Schuldenlastabwurf mittels ESUG?
Meinerzag: Nicht viel, diese Beispiele dürfen keine Schule machen. Es kann nicht sein, dass ganze Dienstleisterkolonnen an Emittenten herantreten mit Vorschlägen, bei denen sie sich auch noch gegenseitig überbieten, wie man unliebsame Anleihegläubiger am kosteneffizientesten loswird. Da schlagen natürlich zwei Herzen in meiner Brust, denn einerseits ist unser Fonds Investor, andererseits hat man mit gewissen Investitionsvolumina Mitgestaltungsmöglichkeiten, u.a. zum eigenen Vorteil, aber zu Lasten der Anderen. Dieser Zielkonflikt lässt sich nicht ausschließen – der Grat ist schmal, abschüssig und mit zahlreichen öffentlichen Schmähungen dekoriert, wenn man ihn überschreitet.

BondGuide: Herr Meinerzag, dann schauen wir mal, ob sich Ihr modifizierter Ansatz in der Praxis bewährt.

Interview: Falko Bozicevic