
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verwaltet ein Aktienportfolio im Wert von mehr als 170 Mrd. USD – und liegt mit vielen ihrer Investments erstaunlich richtig.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verfolgt eigentlich kein Renditeziel. Ihr Auftrag lautet, Preisstabilität und den Wert des Schweizer Frankens zu sichern. Dennoch sorgt das Aktienportfolio der Notenbank regelmäßig für Aufmerksamkeit. Mit einem Volumen von rund 173 Mrd. USD entfallen inzwischen etwa 28% der Währungsreserven auf internationale Aktien, analysiert Fachautor Karim Serrar für schweizeraktien.net in einer kürzlichen Untersuchung.
Dabei investiert die SNB weitgehend passiv und orientiert sich an den großen Leitindizes. Trotzdem zeigt ein Blick auf die größten Positionen ein bemerkenswertes Gespür für langfristige Wachstumstrends. Allein die fünf Schwergewichte Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet vereinen mehr als ein Viertel des gesamten Aktienbestands auf sich. Im ersten Quartal wurden diese Positionen sogar nochmals aufgestockt.
Besonders auffällig ist die starke Ausrichtung auf den weltweiten KI-Boom. Neben den US-Technologiekonzernen erhöhte die SNB ihre Beteiligungen an Broadcom und Intel, die zuletzt zu den großen Gewinnern an den Börsen zählten. Auch europäische Profiteure des Infrastruktur- und Halbleiterausbaus wie ASML, SAP, Siemens oder Schneider Electric gehören zu den bedeutenden Beteiligungen.
Gleichzeitig setzt die Notenbank nicht ausschließlich auf Technologie. Mit Zukäufen bei AstraZeneca, AT&T, Verizon oder Walmart wurde zuletzt auch der Anteil defensiver Titel erhöht. Das spricht für eine ausgewogene Portfoliostruktur, die Wachstum und Stabilität miteinander verbindet.
Regional bleibt die Diversifikation hoch. Neben den USA investiert die SNB in Japan unter anderem in Toyota, Sony, Hitachi und Tokyo Electron. Ergänzt wird das Portfolio durch Beteiligungen an Unternehmen aus den Bereichen Infrastruktur, Industrie, Energie und erneuerbare Energien.
Trotz der beeindruckenden Performance bleibt die Aktienanlage für die SNB lediglich Mittel zum Zweck. Die Währungsreserven müssen jederzeit liquide verfügbar sein und geldpolitischen Anforderungen genügen. Deshalb dominieren weiterhin hochwertige Anleihen, die rund zwei Drittel der Reserven ausmachen. Ergänzt werden diese durch 1.040 Tonnen Gold, deren Marktwert zuletzt deutlich gestiegen ist.
Das Fazit von Serrar: Obwohl die SNB keine klassische Vermögensverwaltung betreibt, gelingt es ihr, die wichtigsten globalen Wachstumstrends breit diversifiziert abzubilden. Für private Anleger könnte der Blick auf das Portfolio der Schweizer Notenbank daher durchaus inspirierend sein – nicht wegen kurzfristiger Spekulationen, sondern als Beispiel für eine langfristig orientierte und disziplinierte Anlagestrategie.
Die Schweizerische Nationalbank ist die Zentralbank der Schweiz und verantwortlich für die Geld- und Währungspolitik des Landes. Sie verwaltet einen der größten staatlichen Anlagebestände weltweit. Die Nationalbank hat in Bern und Zürich je einen Sitz.
Karim Serrar ist Kapitalmarktanalyst, Fachautor und langjähriger Finanzjournalist. Seine Analysen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit Aktienmärkten, Asset Allocation und globalen Investmenttrends.
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