
Das 1ste Halbjahr war nicht gerade durch Langeweile geprägt, Trump 2.0 sei Dank. Dazu trug die Trump-Administration erheblich bei. Von Stefano Zoffoli*
So löste US-Präsident Donald Trump im April ein enormes Kursbeben an den Finanzmärkten aus, als er am ‚Liberation Day’ die Liste mit den geplanten Einfuhrzöllen gegen den Großteil der Welt publik machte. Nachdem die US-Regierung aber eine Schonfrist von 90 Tagen verkündete und anschließend mit den ersten Ländern in Verhandlungen trat, beruhigten sich die Börsen und machten die Verluste wieder wett und der S&P500 notiert bereits wieder auf einem Allzeithoch.
Der Vertrauensverlust in die US-amerikanische Währung blieb jedoch bestehen. Der US-Dollar verlor im ersten Halbjahr 11% an Wert und für europäische Anleger notieren damit die US-Aktien aufgrund der Währungsverluste im Minus.
Für Aufregung auf geopolitischer Ebene sorgt der militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran. Es kam zwischenzeitlich zu Verwerfungen an den Energiemärkten, schlussendlich ließen sich die Märkte davon aber nicht beunruhigen. Abgesehen davon verlief die wirtschaftliche Entwicklung gesund. Vor allem Firmen, die im KI-Bereich tätig sind, trotzen den Turbulenzen – und die Konsumenten geben besonders für Dienstleistungen Geld aus. Die Unternehmensgewinne sind wohl auch im zweiten Quartal sehr solide gewachsen. Vom schwachen US-Dollar, den geopolitischen News und der Staatsverschuldungsthematik hat erneut Gold stark profitieren können. Auch dieses Jahr konnte der Goldpreis um 30% zulegen, angetrieben auch durch weitere Zentralbankenkäufe.
Bezüglich der Aktienmärkte war das erste Quartal geprägt durch starke regionale Unterschiede. Während sie in den USA sichtbar korrigierten, konnten sie in Europa deutlich zulegen. Auslöser waren das angekündigte Fiskalpaket in Deutschland und der DeepSeek-Moment, der die Aktienkurse der Mag-7 stark einbrechen ließ. Unsere Hauptthese für 2025 von einer besseren Marktbreite, hat sich somit bereits in den ersten Monaten des Jahres manifestiert.
Seit den sehr guten Ergebnissen von Alphabet Mitte April steigen nun aber die Aktienkurse der IT-Firmen wieder stark und die AI-Rally ist zurück. Bei der erratischen Politik der US-Regierung und den vielen geopolitischen News ist etwas untergegangen, dass im ersten Halbjahr die Schwellenländer die stärksten Aktienzugewinne aufweisen konnten. Diese profitieren vom schwachem US-Dollar, der rückläufigen Inflation und den gewichtigen Techfirmen im ostasiatischen Raum.
Auch bei den Anleiherenditen gab es große Unterschiede. In der Eurozone und in der Schweiz stiegen die Kapitalmarktrenditen trotz weiterer Zinssenkungen aufgrund der angekündigten Fiskalpakete an. In den USA hingegen sind die langfristigen Kapitalmarktsätze gesunken. Dies hat sich dann allerdings im 2ten Quartal etwas angeglichen, da der Fokus nicht mehr auf dem Fiskalpaket in Europa, sondern auf dem Handelskrieg lag. Die Zinskurve in den USA ist deutlich steiler geworden und somit hat sich auch unsere zweite Hauptthese für 2025 (Normalisierung der Zinskurve) manifestiert.
Am vorderen Ende werden aufgrund einer sich moderierenden Inflation und einer sich abschwächenden Konjunktur Leitzinssenkungen der US-Notenbank ab Herbst eingepreist, das lange Ende bleibt aufgrund der sehr hohen Staatsverschuldung erhöht. Von dieser steilen Zinskurve haben wie erwartet die Banken profitiert und Financials war nach Industrials der zweitbeste Sektor im ersten Halbjahr.
Anfang Juli stehen wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen an, die uns vorerst davon abhalten, Portfolio-Risiken zu erhöhen. Zwei Fragen lauten: Wie geht es nach Ablauf der 90-tägigen Pause mit den angedrohten Zöllen weiter? Können in den USA die geplanten massiven Steuersenkungen (One Big Beautiful Bill) mit allen Konsequenzen durchgesetzt werden? Aufgrund dieser Unsicherheiten bleiben wir mit der Aktienquote neutral gewichtet, setzen aber innerhalb der Anlageklasse Akzente im Gesundheitssektor, bei Technologiewerten und bei britischen Aktien.
Auf der Anleiheseite setzen wir weiterhin auf Staatsanleihen, die wir gegenüber den Unternehmensanleihen übergewichtet halten. Bei den Rohstoffen (untergewichtet) sehen wir weiterhin einen überversorgten Ölmarkt und im Bereich der alternativen Anlagen bevorzugen wir aus Diversifikationsgründen Insurance Linked Securities. Weiterhin sehr robuste Zentralbankkäufe und erhöhte geopolitische Risiken haben uns zudem dazu bewogen, Ende des ersten Halbjahrs unsere Position in Gold zu erhöhen.
*) Stefano Zoffoli ist Stratege und Leiter Multi Asset Portfolio des Swisscanto LUX-Fonds.
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