US-Verbraucherpreise: Ölpreis-Schock bringt FED ins Schwitzen

Der US-VPI überrascht positiv – doch steigende Ölpreise könnten die Inflationsbekämpfung der FED schnell wieder aushebeln.

Die jüngsten Daten zum US-VPI (Verbraucherpreis-Index) fallen auf den ersten Blick besser aus als befürchtet – doch unter der Oberfläche brodelt es, meint Autor John Kerschner von Janus Henderson Investors*. Der Gesamtindex legte im Monatsvergleich um rund 0,9% zu und liegt damit annualisiert bei gut 3,3%. Der Kern-VPI blieb mit 0,2% vergleichsweise moderat, was zunächst für Entspannung sorgt.

Doch dieser Eindruck könnte trügen: Der Einfluss steigender Energiepreise – ausgelöst durch geopolitische Spannungen – zeigt sich bereits deutlich. Benzinpreise auch in den USA sind seit Beginn der Krise um rund 40% gestiegen, allein im Berichtsmonat um gut 20%. Weitere Preisimpulse gelten als wahrscheinlich – insbesondere mit Blick auf Transportkosten und Lebensmittelpreise, die typischerweise erst zeitverzögert reagieren.

Auch die FED muss unter politischem Druck agieren

Immerhin gibt es Lichtblicke im Detail: Die viel beachteten Kernleistungen ohne Wohnen (‚Super Core’) entwickelten sich mit rund 0,2% moderat, ebenso wie die Mietkomponente (OER), die sich stabilisiert. Diese Faktoren sprechen dafür, dass der zugrunde liegende Preisdruck bislang kontrollierbar bleibt.

Dennoch steht die FED vor einem klassischen Dilemma. Einerseits könnte es sich beim aktuellen Inflationsanstieg um einen temporären Energieeffekt handeln. Andererseits droht bei dauerhaft hohen Ölpreisen eine strukturelle Verschiebung der Inflationserwartungen. Der Markt setzt derzeit klar auf Stillstand: Für die kommenden Sitzungen wird mehrheitlich kein Zinsschritt eingepreist.

Das könnte sich jedoch als trügerisch erweisen. Historisch gilt: Ein Anstieg der Ölpreise um 10% treibt den US-VPI um etwa 0,3 Prozentpunkte nach oben. Bei einem Preisniveau, das aktuell rund 40 bis 50% über dem Vorkrisenniveau liegt, könnten Inflationsraten von über 4% wieder Realität werden – selbst beim Kern-VPI wären Werte um 3% denkbar.

Fazit

Der US-VPI suggeriert kurzfristig Entspannung, langfristig jedoch neue Risiken. Entscheidend wird sein, wie nachhaltig der Energiepreisschock wirkt – und ob die FED gezwungen wird, ihre Anti-Inflationsstrategie erneut zu verschärfen.

*) John Kerschner ist Global Head of Securitized Products bei Janus Henderson Investors. Das Haus zählt zu den international etablierten Asset Managern mit Fokus auf aktive Fixed-Income-Strategien.

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