Trump 2.0 löste erst Bitcoin-Euphorie aus – um sie danach wieder zusammenbrechen zu sehen

Die Einbeziehung von Bitcoin in eine strategische Reserve bleibt ein bedeutender Schritt – der Bitcoin effektiv einen goldähnlichen Status verleiht. Von James Butterfill*

Ein Allzeithoch nach dem anderen wurde durchbrochen – zuerst die 100.000-USD-Marke, bevor die Rallye am 21. Januar bei 105.000 USD ihren Höhepunkt erreichte. Doch seitdem hat sich die Marktstimmung deutlich verschlechtert: Bis zum 14. März verzeichnete Bitcoin 17 Tage hintereinander Kapitalabflüsse, und der Preis ist unter 80.000 USD gefallen. Waren die mit Donald Trumps Präsidentschaft verbundenen Krypto-Hoffnungen am Ende nur eine Blase statt echter Substanz?

Es wäre falsch, Donald Trump pauschal als Segen oder Fluch für die Kryptoszene zu bezeichnen. Zwar zeigt das Weiße Haus heute eine deutlich offenere Haltung zu Bitcoin als unter der vorherigen Regierung. Dennoch sollte man den amtierenden US-Präsidenten nicht auf ein Bitcoin-Podest erheben – denn trotz aller positiven Ankündigungen und Rhetorik gibt es auch von seiner Seite Entscheidungen, die jeder Logik widersprechen und der Kryptoindustrie sogar schaden.

Die Einführung eines Trump Coin und eines Melania Coin rund um die Amtseinführung des 47. US-Präsidenten hat der Glaubwürdigkeit der Kryptobranche sicher nicht geholfen. Es entsteht der Eindruck, dass die Regierung die Präsidentschaft für persönliche finanzielle Vorteile nutzt. In diesem Zusammenhang waren auch die Aktionen des argentinischen Präsidenten Javier Milei keineswegs hilfreich, als er die Kryptowährung Libra bewarb – eine Währung, die nach seinen Aussagen ‚wirtschaftliches Wachstum durch die Finanzierung von kleinen Unternehmen und Startups fördern‘ sollte. Nur wenige Stunden nach dem Veröffentlichen des Beitrags auf X löschte er die Nachricht wieder, was zu Verlusten in Millionenhöhe bei Anlegern führte. […]

Trumps Krypto-Politik

Die Ankündigung einer strategischen Reserve mit mehreren Kryptowährungen ist wenig sinnvoll. Bitcoin, Ethereum, Solana, Ripple (XRP) und Cardano unterscheiden sich grundlegend und können nicht gleichbehandelt werden. Bitcoin ist eine Vermögensklasse, die mit Gold vergleichbar ist, während die anderen Kryptowährungen auf Technologielösungen basieren – von denen die meisten (außer Ethereum) keine fundierten Grundlagen haben.

Es gab auch Enttäuschung darüber, dass die Trump-Administration keine zusätzlichen Bitcoin für die Krypto-Reserve gekauft hat, sondern lediglich die bereits von der US-Regierung gehaltenen Bestände konsolidierte. Die Erwartungen waren höher gewesen. Hier ist jedoch eine differenziertere Betrachtungsweise nötig: Die Einbeziehung von Bitcoin in eine strategische Reserve bleibt ein bedeutender Schritt – einer, der Bitcoin effektiv einen goldähnlichen Status verleiht, den es zweifellos verdient. […]

Kryptos, ua. Bitcoin, im Vergleich mit anderen Assetklassen

Über Washington hinaus gibt es bedeutende Entwicklungen:

– Marokko hat den Bitcoin-Handel kürzlich legalisiert
– Tschechien prüft die Aufnahme von Bitcoin in seine Devisenreserven
– In Kanada fordert der Oppositionsführer Bitcoin als Inflationsschutz einzusetzen
– Russlands Präsident Putin arbeitet an einem Rechtsrahmen für Krypto-Handel
– Argentiniens Präsident sieht Bitcoin als Weg zur Umgehung des Zentralbanksystems
– Diese Entwicklungen erfolgen nicht isoliert, sondern im Kontext des sich wandelnden US-Narrativs zu Bitcoin.

Weitere bahnbrechende Schritte aus den USA erwartet

Die Tatsache, dass die Krypto-Frage nicht bereits am ersten Tag von Trumps Präsidentschaft per Executive Order behandelt wurde, deutet auf die Entwicklung eines nachhaltigeren Regulierungsrahmens hin – eines Rahmens, der bahnbrechend für Bitcoin sein könnte. Der Digital Asset Summit vergangenen Donnerstag untermauert diese These. Zwar wurden keine wegweisenden Entscheidungen getroffen, doch die Bestätigung des Strategie-Reserve-Plans zeigt, dass dies ein fortlaufender Prozess ist. Und vergessen wir nicht: Ein solcher Gipfel wäre unter einer Biden-Präsidentschaft undenkbar gewesen. […]

James Butterfill

Bislang hat die USA paradoxerweise eine Nachzüglerrolle in der Digital-Finance-Regulierung eingenommen. Doch binnen kurzer Zeit könnte das Land zum Vorreiter werden und die globale Bitcoin-Adoption beschleunigen.

*) In einem wöchentlichen Rückblick analysiert James ButterfillHead of Research von CoinShares, die Zu- und Abflüsse in nachgefragte ETPs, Investmentfonds und OTC-Trusts, die sich auf Bitcoin, Ether und andere digitale Vermögenswerte beziehen.

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