Russlands Wirtschaft proklamiert niedrige Arbeitslosigkeit – allerdings als Kriegsfolge

Russlands Wirtschaft zeigt widersprüchliche Signale: niedrige Arbeitslosigkeit trifft auf kriegsbedingte Verzerrungen und geldpolitische Lockerung.

Die russische Wirtschaft sendet derzeit gemischte Signale. Während Präsident Wladimir Putin die rekordniedrige Arbeitslosigkeit als Beleg für wirtschaftliche Stärke hervorhebt, zeigt eine Analyse von The Bell*, dass diese Entwicklung eng mit den hohen Verlusten im Ukraine-Krieg zusammenhängt.

Arbeitsmarkt: niedrige Quote mit düsterem Hintergrund

Seit Beginn des Krieges ist die Arbeitslosigkeit in Russland auf historische Tiefstände gefallen. Laut den Autoren Alexander Kolyandr und Alexandra Prokopenko besteht jedoch eine direkte Korrelation zwischen sinkender Arbeitslosigkeit und steigenden Gefallenenzahlen an der Front. Der Arbeitsmarkt überhitzt somit nicht aufgrund wirtschaftlicher Dynamik, sondern durch das Schrumpfen der erwerbsfähigen Bevölkerung.

Geldpolitik: achte Zinssenkung in Folge

Parallel dazu hat die russische Zentralbank ihren Leitzins erneut gesenkt – bereits zum achten Mal in Folge. Der Zinssatz wurde um 0,5 Prozentpunkte auf 14,5% reduziert und entsprach damit den Markterwartungen.

AI-generiert

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Die Notenbank signalisiert jedoch Vorsicht: Weitere Zinssenkungen sollen von der Inflationsentwicklung, den Inflationserwartungen sowie internen und externen Risiken abhängig gemacht werden. Besonders hervorgehoben werden Unsicherheiten durch geopolitische Konflikte, Sanktionen und die Haushaltspolitik.

Währungsmarkt: Rückkehr zu Devisenkäufen

Das russische Finanzministerium plane zudem, die Devisentransaktionen im Rahmen der Budgetregel wieder aufzunehmen. Für Mai werde ein monatliches Volumen von rund 400 Mrd. Rubel (ca. 5,3 Mrd. USD) erwartet. Ziel ist es unter anderem, eine zu starke Aufwertung des Rubels angesichts hoher Ölpreise zu verhindern.

Einordnung: scheinbare Stabilität mit strukturellen Risiken

Spiegelbild der Wirtschaft : volatiler Rubel

Spiegelbild der Wirtschaft : volatiler Rubel

Die aktuellen Entwicklungen zeigen ein ambivalentes Bild, die offiziell starke Beschäftigungslage basiert zu einem erheblichen Teil auf kriegsbedingten Effekten:

– Die Geldpolitik bleibt locker, agiert jedoch unter hoher Unsicherheit

– Staatliche Eingriffe am Devisenmarkt sollen makroökonomische Schwankungen abfedern

Damit bleibt die Stabilität der russischen Wirtschaft stark von externen Faktoren und politischen Entscheidungen abhängig.

*) Alexander Kolyandr ist Finanzanalyst und Senior Fellow am CEPA sowie ehemaliger Manager bei Crédit Suisse. Alexandra Prokopenko ist unabhängige Analystin und war Beraterin der russischen Zentralbank. Beide verfassen Meinungsartikel für The Bell, einem führenden unabhängigen russischen Wirtschaftsnachrichtendienst. 2022 stuften die russischen Behörden sowohl The Bell als auch ihre Gründer als ‚ausländische Agenten‘ ein und sperrten im Jahr darauf den Zugang zur Website in Russland.

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