Produktivität als Schlüssel zur Wohlstandstreppe

Könnte ein neuer Aufschwung den Weg zu nachhaltigem Wohlstand ebnen?  – der Schlüssel: Produktivität. Von John Sherman, Senior Portfolio Manager und Co-Head des Tactical Balanced Strategies Teams bei Federated Hermes

Produktivität beschreibt die Effizienz, mit der Unternehmen und Volkswirtschaften arbeiten. Während einige Fortschritte, wie in der Landwirtschaft, offensichtlich sind, bleiben andere oft unsichtbar. Der Ökonom Moses Abramovitz bezeichnete Produktivität nicht ohne Grund als ‚ein Maß für unsere Unwissenheit über die Ursachen des Wirtschaftswachstums‘.

Ein gängiger Ansatz zur Messung von Produktivität ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dieses setzt sich aus der Veränderung der Erwerbsbevölkerung und der Produktivität zusammen. In den USA übertraf 2025 das Wirtschaftswachstum die Erwartungen, obwohl die Zahl der Arbeitskräfte stagnierte. Ein steigendes BIP mit einer stagnierenden Erwerbsbevölkerung deutet auf ein hohes Produktivitätswachstum hin. Die Trump-Regierung geht davon aus, dass dieses Wachstum langfristig neue Arbeitsplätze schaffen könnte.

Noch mehr Wohlstand ? - mit Produktivität

Um die Entwicklung besser zu verstehen, hilft ein Blick auf die BIP-Formel: C + I + G + NX (Konsum, Investitionen, Staatsausgaben und Nettoexporte). Bei stabil bleibendem Konsum und moderaten Staatsausgaben sind Investitionen die wichtigste Wachstumsquelle. Heute fließt das Kapital jedoch vor allem in Künstliche Intelligenz (KI). Diese Investitionen haben andere Multiplikatoreffekte als klassische Anlagen.

Im besten Fall treiben diese Investitionen das Wachstum an und schaffen später höher bezahlte Arbeitsplätze, da KI die Produktivität steigert. Dies könnte den Konsum ankurbeln und das schwächere Standbein der ‚K-förmigen‘ Wirtschaft stärken, insbesondere wenn zyklische Sektoren wie Wohnungsbau und Automobilindustrie wieder anspringen.

Ein Risiko besteht darin, dass KI Arbeitsplätze verdrängt. Diese Debatte ist kontrovers und mit vielen Unsicherheiten behaftet, doch ein starker, dauerhafter Arbeitsplatzverlust erscheint unwahrscheinlich. Auch wenn Störungen unvermeidlich sind, könnte die Gesellschaft sich anpassen, ähnlich wie nach dem Rückgang der Landwirtschaft.

Ein weiteres Risiko sind Fehlinvestitionen, die zu kurzfristigen Enttäuschungen führen könnten – ähnlich der Zeit der Internetblase um 2000. Diese Unsicherheit spiegelt sich in den jüngsten Kursschwankungen des Technologiesektors wider.

Fest steht: Es wird Gewinner und Verlierer geben. Wer jedoch auf ein enttäuschendes Gesamtergebnis setzt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er gegen die bedeutendsten Unternehmen der Gegenwart wettet.

John Sherman

Wenn alles gut läuft, könnte eine positive Spirale entstehen: Investitionen führen zu Produktivitätssteigerungen, mehr Arbeitsplätzen und Wachstum – von dem sowohl Kapital als auch Arbeit profitieren. Doch derzeit bleibt es ungewiss, ob die Wirtschaft einen nachhaltigen Aufschwung, ein wachstumsloses Jobwunder oder sogar eine Krise erleben wird. Die zentrale makroökonomische Frage der kommenden Jahre bleibt offen.

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