Nvidia vor wegweisendem Quartal für sich und die KI-Branche

Nvidia steht vor richtungsweisenden Zahlen – entscheidend dürfte weniger das Quartal als der KI-Ausblick für 2027 werden. Violeta Todorova* kommentiert.

– Halbleiter-Gigant muss überzeugende Zukunftsprognose vorlegen
– Beständigkeit der KI-Nachfrage bleibt Kernthema der Debatte
– Institutionelle Anleger bauen Engagement weiter aus

Wenn NVIDIA am 25. Februar seine Zahlen für das vierte Quartal seines Geschäftsjahres vorlegt, dürfte erneut der gesamte Markt hinschauen. Die Quartalsberichte hätten sich in den vergangenen zwei Jahren vom klassischen Halbleiter-Update zu einem makroökonomischen Ereignis entwickelt.

Das Unternehmen stehe heute im Zentrum des globalen KI-Ausbaus; entsprechend beeinflussten die Ergebnisse Chip-Aktien, Cloudanbieter, Rechenzentrumsbetreiber und zunehmend auch die allgemeine Marktstimmung. Entscheidend werde diesmal weniger sein, ob Erwartungen übertroffen werden, sondern ob das Management überzeugend darlegen könne, dass der KI-Investitionszyklus strukturell und nicht nur temporär sei.

KI-Motor weiter auf Hochtouren

Im dritten Quartal erreichte der Umsatz 57 Mrd. USD (+62%) bei einem Gewinn je Aktie von 1,30 USD (+60%). Die Bruttomarge weitete sich auf 73,4% aus – ein Hinweis auf die weiterhin hohe Preissetzungsmacht im KI-Produktmix.

Treiber blieb das Data-Center-Segment mit 51,2 Mrd. USD Umsatz (+66%). Die Nachfrage nach der Blackwell-Architektur sei laut Unternehmen außergewöhnlich stark geblieben. Dennoch bewegte sich die Aktie zuletzt seitwärts – die Erwartungen seien parallel zur operativen Entwicklung stark gestiegen, sodass der Markt zunehmend Perfektion einpreist.

Q4: Zahlen wichtig – Ausblick entscheidender

Für das vierte Quartal rechnen Analysten mit Erlösen von rund 65 bis 66 Mrd. USD sowie einem Gewinn je Aktie von etwa 1,46 USD. Die Bruttomarge könnte sich der Marke von 75% nähern.

Die Marktreaktion dürfte sich vor allem am Ausblick auf das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres orientieren. Umsätze oberhalb von 75 Mrd. USD würden eine weitere Beschleunigung signalisieren.

Sollte das Management anhaltend starke Hyperscaler-Nachfrage sowie zunehmende Unternehmenseinsätze hervorheben, könnte die Aktie ihre Konsolidierungsphase verlassen. Ein vorsichtiger Ton hingegen könnte eine klassische ‚Sell-the-News‘-Reaktion auslösen. Es gehe inzwischen weniger um positive Überraschungen als um Stabilität.

Struktureller Wandel oder vorgezogener Zyklus?

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die massiven KI-Investitionen einen langfristigen Architekturwechsel darstellen. Große Cloudanbieter wie Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta bauen ihre GPU-Kapazitäten weiter aus.

Über die vergangenen drei Jahre hat Nvidia alle Konkurrenten um Längen hinter sich gelassen

Über die vergangenen drei Jahre hat Nvidia alle Konkurrenten um Längen hinter sich gelassen

Investoren dürften besonders auf Hinweise zu mehrjährigen Verträgen, staatlichen KI-Programmen und einer breiteren Nachfragebasis achten. Je stärker Anwendungen außerhalb von Venture-finanzierten Startups wachsen, desto nachhaltiger erscheine die Story.

Die Skalierung der Blackwell-Produktion sowie der Übergang zur nächsten Generation (‚Rubin‘) gelten dabei als zentrale Vertrauensfaktoren. Stabil bleibende Margen im mittleren 70%-Bereich wären aus Bewertungssicht entscheidend.

Wettbewerb nimmt aber auch zu

Mit steigenden Fertigungskapazitäten könnten Lieferengpässe nachlassen – was zusätzliche Umsätze ermöglichen, aber auch Preisdruck bringen könnte. Gleichzeitig intensivieren AMD und Intel ihre Investitionen in KI-Beschleuniger, während Hyperscaler eigene Chips entwickeln.

Nvidia hat auch zahlreiche Bonds - so wie dieser hier 2021/31 mit 2,0% Kupon und Restrendite 4,0% p.a.

Nvidia hat auch zahlreiche Bonds – so wie dieser hier 2021/31 mit 2,0% Kupon und Restrendite 4,0% p.a.

Der Software-Stack und das Entwickler-Ökosystem von Nvidia würden jedoch weiterhin hohe Wechselkosten erzeugen und damit einen strukturellen Wettbewerbsvorteil darstellen.

Bewertung nach Konsolidierung attraktiver?

Nach der starken Rallye zu Beginn des KI-Zyklus befindet sich die Aktie in einer Konsolidierungsphase. Die Bewertungsmultiplikatoren seien zurückgekommen, obwohl die Gewinne weiter steigen. Dieser ‚Reset‘ könnte laut Einschätzung langfristig sogar konstruktiv sein.

Sollte das Gewinnwachstum bis 2027 wie erwartet anhalten, könnten die aktuellen Kursniveaus einen attraktiven Einstiegspunkt darstellen. Fundamental spräche vieles für höhere Bewertungen – vorausgesetzt, die KI-Nachfrage erweise sich tatsächlich als dauerhaft.

Violeta Todorova, Leverage Shares & Income Shares

*) Violeta Todorova ist Senior Research Analyst bei Leverage Shares & Income Shares, einem Pionier und größten Emittenten börsengehandelter Produkte (ETPs) aus dem Einzelaktien-Segment in Europa. Das mit den International Financial Awards (Bester ETP-Anbieter 2021) ausgezeichnete Unternehmen wurde 2017 gegründet und bietet mehr als 180 ETPs an, die sowohl gehebelte als auch ungehebelte Investments in Einzelaktien, ETFs und Rohstoffen beinhalten.

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