NORATIS‘ Schutzschirmflucht droht Gegenwind: ‚Schmierentheater‘

Droht bei der NORATIS eine gravierende Benachteiligung der Anleihegläubiger? Deutliche Anzeichen weisen darauf hin – Widerstand formiert sich.

Erst im September 2024 hat sich die NORATIS die Laufzeit der Anleihe (DE000 A3H2TV 6) um drei Jahre verlängern lassen, und zwar bis zum 31.12.2028. Voraussetzung hierfür war die Zusage, dass der NORATIS-Großaktionär aus dem Umfeld der Familie Merz eine Kapitalerhöhung bei NORATIS zugesagt hatte. Durch die Verlängerung der Anleihe bei gleichzeitiger Stärkung des Eigenkapitals sollte der Zustand der Gesellschaft stabilisiert werden, bis sich die Immobilienmärkte beruhigen.

Einigermaßen überraschend hatte die NORATIS am 14. Dezember dennoch die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens nach § 270d InsO beim Amtsgericht Frankfurt am Main beantragt. Das Insolvenzgericht hat am 16.12. dem Antrag stattgegeben und Rechtsanwalt Dr. Andreas Kleinschmidt zum Sachwalter bestellt.

Sehr valide Gegenargumente – unter anderem eine ausführliche Schutzschrift, die die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zuvor eingereicht hatte – wurden dabei übergangen. Im Schutzschirmverfahren soll, so der Wille des (komplett ausgewechselten) NORATIS-Vorstandes, eine umfangreiche Sanierung und Restrukturierung bei NORATIS stattfinden. Dies werde nach Erwartung vieler Marktexperten darauf hinauslaufen, dass die Gläubiger der Anleihe auf große Teile ihres Geldes verzichten müssen.  

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Noratis 2025/28 laufzeitverlängert – aber praktisch wertlos

Dr. Wolfgang Schirp aus der Kanzlei Schirp Schmidt-Morsbach Rechtsanwälte PartG mbB, der den Fall beobachtet: „Nach allem, was wir bisher wissen, sollen die Anleihegläubiger krass übervorteilt werden. Offensichtlich ist die Stärkung des Eigenkapitals, die eine Gesellschaft der Familie Merz zugesagt hatte, nicht durchgeführt worden. Stattdessen sollen die Anleihegläubiger bluten.“

Sehr negativ falle auf, dass der Großaktionär aus dem Umfeld der Familie Merz den Versuch mache, seine Verpflichtungen auf einen angeblichen neuen Großinvestor namens IMMOWERK abzustreifen. Aber: Die Geschäftsleitung der IMMOWERK sei personenidentisch mit dem Vorstand der NORATIS. Da werde doch Schmierentheater gespielt: Der Interessenkonflikt sei offensichtlich.

Schirp sieht klare Parallelen zu dem kriminellen Haircut bei der Sympatex-Anleihe. Dort hatten Mitglieder der Familie Otto an einem Anleiheschnitt mitgewirkt, der zwischenzeitlich zu mehreren strafrechtlichen Verurteilungen geführt hat. Hier ist es ein Unternehmen aus dem Umfeld der Familie Merz, das eigene Zusagen nicht einhalte und private Anleger dafür bezahlen lassen wolle. Im einen wie anderen Falle sei dies nicht hinzunehmen, sondern man werde sich mit allen zivilrechtlichen und strafrechtlichen Mitteln zur Wehr setzen. Gläubiger der NORATIS-Anleihe  bitte Schirp, sich zu melden.

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