Mittelstandsanleihen: Stürmisches Frühjahr – Heißer Spätsommer – ein Kommentar von Ralf Meinerzag, Steubing

Wolken über Brüssel

Im „Standpunkt German Mittelstand“ äußert sich das Team um Ralf Meinerzag regelmäßig zum Markt für Mittelstandsanleihen und Hochzinsanleihen. Dieses Mal: Fallen im Herbst die nächsten Unternehmen?

Stürmisches Frühjahr
Wir haben gelernt: Das stürmische Frühjahr kommt durch die Klimaveränderung zu Stande – konkret durch die viel zu warmen Winter. Das war letztlich auch die Argumentation des Modekonzerns Steilmann für seine Insolvenz. So wie wir alle jedes Jahr am 24.12. von Heiligabend überrascht werden, so ist es völlig unüblich, dass wir keine arktischen Winter in Deutschland haben.

Der Schrottrecycler Scholz legte im Frühjahr für eine Finanzrestrukturierung seinen Firmensitz nach London. Die Folge: Die Anleihegläubiger bekommen nun nur noch 7,7% (maximal knappe 11%) ihres eingesetzten Kapitals zurück. Leider hat die Familie Scholz ihr Unternehmen jetzt doch noch für einen symbolischen Euro an das chinesische Unternehmen Chiho-Tiande verkaufen müssen. Zum Glück darf aber Oliver Scholz CEO bleiben.

Bei German Pellets kam es zu einer massiven Verpuffung, an deren Ende die unvermeidliche Insolvenz stand. 270 Mio. EUR Anleihegelder wurden hier verbrannt und haben nicht zur Wärmung der Investoren beigetragen. Wir behaupten, alle drei Insolvenzen wären mit einem stärkeren Controlling von außen nach dem Begeben der Anleihen früher zu erkennen und vielleicht sogar zu verhindern gewesen.

Scholz Holding GmbH: Finanzielle Restrukturierung der Scholz Holding GmbH nähert sich dem erfolgreichen Abschluss

Scholz packt(e) an

Heißer Spätsommer
Die Pleite von KTG Agrar Ende Juni hat am Markt für Mittelstandsanleihen noch tiefere Spuren hinterlassen. Mehr als 394 Mio. EUR sind hier verbrannt worden – davon wohl fast 350 Mio. EUR der Anleihegläubiger. CEO Siegfried Hofreiter hat ein undurchsichtiges Firmengeflecht aufgebaut und wohl spätestens 2013 damit begonnen, Produkte zu überhöhten Preisen unter den einzelnen Unternehmen hin und her zu schieben, um Buchgewinne zu suggerieren. Vor ein paar Tagen nach dem Bericht der Insolvenzverwaltung hat auch der Wirtschaftsprüfer sein Testat für das Jahr 2015 einkassiert.

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Das KTG-Food-Geschäft wurde wieder aufgegeben

Auch hier stellen wir erneut die Frage „warum erst jetzt“? Jeder, der über die Felder gefahren ist, muss gesehen haben, dass KTG Agrar weder Dünger noch Unkrautvernichter kaufen und verwenden konnte. Im Maschinenpark wurde das Prinzip Bundeswehr umgesetzt. Die älteren Maschinen dienten als Ersatzteillager für die neueren. Deswegen musste versucht werden, Maschinenzeiten von anderen Großbauern dazuzukaufen.

Last but not least: Für hunderte Mio. EUR wurde Land verkauft. Alles wurde im letzten Jahr zu Geld gemacht, was nur einigermaßen werthaltig

KTG Energie AG mit Rekordgeschäftsjahr

So dachte sich KTG Agrar das einst

erschien – und niemand hat etwas mitbekommen? Weder die Bank, die noch im letzten Jahr Kapitalmarktgeschäfte im Wert von mehr als 100 Mio. EUR abgewickelt hat, noch der Wirtschaftsprüfer, der ein Testat ausgestellt hat? Der Bericht der Insolvenzverwaltung wird uns wahrscheinlich auch noch in diesen Herbst verfolgen. Denn gewisse Aussagen bzgl. der Ernte von KTG Agrar werden wohl auch Auswirkungen auf KTG Energie haben – einem Tochterunternehmen.

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