
In der Debatte über den Konflikt im Iran erweist sich der Faktor Zeit als die zentrale Variable. Von Lewis Grant, Federated Hermes*
Es stellt sich die Frage, ob die Dauer der Auseinandersetzung ausreicht, um den Inflationsdruck massiv zu erhöhen und eine globale Rezession einzuleiten. Während die Spotpreise für Öl und Erdgas mit hoher Volatilität auf die Schlagzeilen reagierten, verhielten sich die Terminmärkte (Futures) weitaus stabiler. Dies deutet darauf hin, dass die Anleger derzeit von einer zeitnahen Normalisierung der Lage ausgehen.
Das erklärt zumindest teilweise, weshalb die Aktienkurse vieler Energieunternehmen die Entwicklung des Ölpreises nicht unmittelbar widerspiegeln. Investoren bewerten diese Vermögenswerte vor allem auf Grundlage langfristiger Erwartungen. Dabei besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass Präsident Trump aus einem langwierigen Konflikt wenig Nutzen ziehen würde und ihm verschiedene Auswege offenstehen.
Tatsächlich hat er bereits angedeutet, dass ein Ende des Konflikts in Sicht sein könnte – eine Entwicklung, auf die die Märkte entsprechend reagiert haben. Gleichzeitig bleibt zu berücksichtigen, dass der Iran auch bei begrenzter Verfügbarkeit hochentwickelter Waffensysteme in der Lage sein könnte, Störungen durch gezielte und anhaltende Angriffe mit vergleichsweise einfachen Drohnen aufrechtzuerhalten.
Wir gehen davon aus, dass mit dem Abklingen des Konflikts ein Marktumfeld zurückkehren dürfte, das den Bedingungen zu Beginn des Jahres, insbesondere im Januar und Februar, ähnelt. Dann könnte sich eine zyklische Erholung fortsetzen, gestützt durch KI-, jedoch mit einer deutlich breiteren Marktteilnahme als in den vergangenen Jahren, in denen die Entwicklung stark von wenigen Mega-Cap-Unternehmen geprägt war.
In einem solchen Umfeld bevorzugen wir klassische Value-Sektoren. Daraus ergibt sich eine interessante Schlussfolgerung: Unabhängig davon, ob der Konflikt länger anhält und damit tendenziell höhere Ölpreise bestehen bleiben, oder ob er endet und die zyklische Erholung weiter an Fahrt gewinnt, sehen wir Energieunternehmen als besonders gut positioniert. Aus unserer Sicht zählen sie daher in beiden Szenarien zu den potenziellen Gewinnern des laufenden Jahres.
Und Mitch Reznick, Group Head für Fixed Income bei Federated Hermes, fügt seine Sicht hinzu:
Inflationsängste lösen zurückhaltende Erwartungen ab
[…] Eine größere Herausforderung stellt derzeit das Zinsumfeld und die Marktstimmung dar – die aktuell maßgeblichen Treiber für die Spread-Entwicklung. Die Flut an Schlagzeilen belastet den Markt kontinuierlich, was sich unmittelbar auf den Ölpreis und folglich auf die Finanzmärkte auswirkt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich der Ölpreis in der 80-Dollar-Spanne festsetzt, selbst wenn die Berichterstattung aufgrund ihrer Frequenz und Widersprüchlichkeit an Aussagekraft verliert.Sobald sich die Nachrichtenlage beruhigt, zeigt sich am Primärmarkt wieder eine erhöhte Aktivität. Trotz punktueller Differenzen bei den Neuemissionsprämien werden neue Titel insgesamt gut vom Markt aufgenommen. Bei Credits geringerer Bonität steigen die Transaktionskosten allmählich an, da die Marktteilnehmer angesichts eines schwierigeren Umfelds eine zu lange Haltedauer dieser Werte vermeiden wollen. In diesem Zusammenhang erscheint es ratsam, Credits zu meiden, die übermäßig fremdfinanziert sind und somit eine höhere Sensitivität gegenüber steigenden Kapitalkosten aufweisen oder auf kurzfristige Marktrefinanzierungen angewiesen sind.
*) Lewis Grant ist Senior Portfolio Manager für Global Equities bei Federated Hermes
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