
Die europäische Verteidigungsindustrie steht vor einem historischen Wendepunkt. Mit ‚ReArm Europe‘ verstärkt die EU massive Investitionen in den Rüstungssektor. Von Clement Inbona*
Unternehmen wie Leonardo, Saab, Thales, Airbus, Rheinmetall und Safran – Le(s) S.T.A.R.S. der Börse – profitieren von dieser Neuausrichtung. Gleichzeitig fallen langjährige Finanzierungsbarrieren und die einst ethisch umstrittene Branche findet zunehmend Akzeptanz bei Investoren.
Doch die Herausforderungen bleiben: Europas Rüstungsindustrie ist fragmentiert, die nationale Ausrichtung vieler Akteure erschwert eine koordinierte Strategie.
1. Von ‚MAG 7‘ zu ‚Le(s) S.T.A.R.S.‘ – Europas neue Börsenlieblinge
Die US-Tech-Giganten treten in den Hintergrund, während Leonardo, Saab, Thales, Airbus, Rheinmetall und Safran als Le(s) S.T.A.R.S. die europäischen Märkte dominieren. Sie profitieren vom Boom der Rüstungs- und Luftfahrtindustrie.
2. ReArm Europe: 800-Milliarden-Euro-Offensive für Sicherheit
Die Europäische Kommission plant eine massive Investitionsoffensive zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Europas. Ein zentrales Ziel: Die Verteidigungsausgaben sollen nicht mehr an das 3%-Defizit-Korsett gebunden sein.
3. Fragmentierte Industrie als Herausforderung
Die europäische Verteidigungsindustrie ist fragmentiert und national ausgerichtet. Das SCAF-Programm für das Kampfflugzeug der Zukunft könnte eine Harmonisierung auf kontinentaler Ebene ermöglichen.
4. Finanzierungsbarrieren fallen – ESG bleibt ein umkämpftes Thema
Die Rüstungsindustrie galt lange als ethisch problematisch. Doch Investoren erkennen zunehmend die Vereinbarkeit von ESG-Kriterien mit der Verteidigungsfinanzierung – jüngster Beweis: Airbus, Thales und Safran bleiben trotz ESG-Ratings im CAC ESG-Index.
5. Europa setzt auf heimische Verteidigung – Uneinigkeit bleibt
Während Frankreich kontinentale Unternehmen bevorzugt, ist Deutschland zurückhaltender. Die zukünftige Ausgestaltung der Verteidigungsstrategie bleibt damit offen.
*) Clément Inbona ist Fondsmanager bei LFDE, einer der führenden Vermögensverwaltungsgesellschaften Frankreichs. Das Unternehmen wurde 1991 gegründet und ist seit Juli 2023 eine Tochtergesellschaft von LBP AM. LFDE verwaltet ein Vermögen von 26 Mrd. EUR, beschäftigt über 170 Mitarbeiter und vertreibt seine Fonds neben Frankreich in den Benelux-Ländern, in Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz, Spanien und Portugal.
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