Korruptionskampf mit Beigeschmack – Moskau al dente

So sieht GPT das Thema

Immer mehr russische Funktionäre landen wegen Korruption hinter Gittern. Doch Moskau geht damit offenbar weniger gegen Vetternwirtschaft vor als gegen die eigenen Reihen.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat die Zahl der Korruptionsverfahren gegen hochrangige Funktionäre in Russland deutlich zugenommen. Nach einer Analyse des unabhängigen Zentrums Cedar, die The Bell vorliegt, hat sich die Zahl der Verhaftungen seit 2022 mehr als verfünffacht. Die Behörden verkaufen dies als verschärften Kampf gegen Korruption – zunehmend wird dabei auch auf deren Schäden für die russischen Militärfähigkeiten verwiesen.

Die Entwicklung ist durchaus drastisch: Zwischen 2018 und 2022 wurden im Schnitt 28 hochrangige Funktionäre pro Jahr festgenommen. 2023 waren es bereits 53, 2024 dann 91 und 2025 sogar 110. Zwischen 2022 und 2025 wurden insgesamt 278 Strafverfahren gegen 252 Funktionäre eingeleitet – vom stellvertretenden Leiter einer regionalen Behörde bis hin zu Bundesministern.

Moskau

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Auffällig ist indes, dass der größere Teil der Betroffenen offenbar keine Außenseiter sind: Rund 70% der angeklagten regionalen Funktionäre hatten laut Cedar enge Verbindungen zu ihrer jeweiligen Region – etwa durch Geburt, Ausbildung oder langjährige Karriere vor Ort.

Der vermeintliche Korruptionskampf lässt sich damit auch anders lesen: Nicht zwingend als systematische Säuberung eines ineffizienten Staatsapparats, sondern als Instrument, um Kontrolle über Funktionäre und Machtstrukturen zu verschärfen. Gerade im Kriegszustand kann Korruption zudem zum politischen Vorwand werden, um Loyalität und Disziplin innerhalb der Verwaltung durchzusetzen.

Denis Kasyanchuk

Denis Kasyanchuk ist Autor des wöchentlichen Wirtschaftsbriefings von The Bell zur russischen Wirtschaft. The Bell ist ein unabhängiges russisches Medienprojekt mit Schwerpunkt auf Wirtschaft, Politik und gesellschaftlichen Entwicklungen.

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