
Geopolitische Spannungen und steigender Energiebedarf lassen die Kernenergie weltweit wieder aufblühen, so Alexis Bienvenu von LFDE.
Die steigenden geopolitischen Spannungen und Unsicherheiten an den Rohstoffmärkten führen dazu, dass der Ölpreis immer wieder mal ansteigt. Dies lenkt die Aufmerksamkeit der Volkswirtschaften auf die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, deren Preis stark von Konflikten und Förderkartellen beeinflusst wird. In diesem Kontext richtet sich der Blick der Investoren zunehmend auf alternative Energiequellen, insbesondere die Kernenergie.
Der MarketVector Global Uranium and Nuclear Energy Infrastructure-Index verzeichnete innerhalb eines Jahres einen Zuwachs von 123% in US-Dollar; über drei Jahre hat sich dieser verdoppelt. Ein wesentlicher Grund für diesen Anstieg ist der weltweite Energiehunger, insbesondere durch den steigenden Bedarf an Rechenleistung für Künstliche Intelligenz (KI).
Mit Kernenergie ließe sich der steigende Energiebedarf effizient decken. Sie ist CO2-arm, steuerbar und unabhängig von den geopolitischen Unwägbarkeiten erdölfördernder Länder. Angesichts der Verpflichtungen von 30 Staaten wird erwartet, dass sich die Stromerzeugung aus Kernenergie bis 2050 verdreifachen wird.
Doch das Wiederaufblühen der Kernenergie bringt große Herausforderungen mit sich: lange Bauzeiten, enorme Investitionen sowie industrielle und aufsichtsrechtliche Risiken. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und die öffentliche Sensibilität sind ebenfalls große Hürden. Das Schreckgespenst eines Unfalls und die ungelöste Frage der Endlagerung von radioaktiven Abfällen belasten zusätzlich.
Trotz dieser Herausforderungen sieht die Branche historische Chancen, unterstützt durch politische Initiativen. Das US-Gesetz ADVANCE erleichtert den Bau neuer Reaktoren und kleiner modularer Reaktoren (SMR), die schnellere Lösungen für den Energiebedarf der KI-Anwendungen bieten. In Europa wurde Kernenergie 2022 als ‚grüne‘ Investition eingestuft, was den Pragmatismus Deutschlands widerspiegelt.
In Asien gibt es ähnliche Entwicklungen: Indien ermöglicht privatwirtschaftliche Investitionen in die Kernkraft, während China enorme Investitionen plant, um CO2-Neutralität bis 2060 zu erreichen. Auch in Südkorea und Japan gibt es Bestrebungen, die Kernenergie wiederzubeleben.
Die Privatwirtschaft zieht ebenfalls nach: Microsoft plant die Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerks Three Mile Island, und Unternehmen wie Google und OpenAI setzen auf SMR-Projekte. Diese Entwicklungen schüren Begeisterung am Markt, obwohl die Bewertungen hoch bleiben – laut Bloomberg mehr als das 50fache der für 2026 erwarteten Gewinne.
Sollte der Strombedarf weiterhin so enorm bleiben, könnte die Kernenergie als großer Gewinner aus diesem Wettlauf hervorgehen. In der Energieproduktion gilt: Wer genug Energie hat, gewinnt das Rennen.
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