
Die Blockade der Straße von Hormus trifft nicht nur Energie, sondern auch Düngemittel – mit potenziell gravierenden Folgen für die weltweite Lebensmittelversorgung.
Die Blockade der Straße von Hormus entwickelt sich zunehmend zu einem Risiko für die globale Ernährungssicherheit. Alexis Bienvenu von La Financière de l’Echiquier mahnt, die strategisch wichtige Meerenge betreffe nicht nur den Transport von Öl und Gas, sondern auch zentrale Düngemittelströme.
Insbesondere Stickstoff- und Phosphatdünger werden in großen Mengen über den Persischen Golf exportiert. Da deren Produktion stark von Energie abhängig ist, verstärkt sich der Effekt der aktuellen Krise doppelt: Energieengpässe und Düngemittelknappheit wirken zeitversetzt auf die Lebensmittelproduktion.
Besonders betroffen sind große Agrarländer wie Indien und Brasilien. Indien importiert mehr als die Hälfte seines Stickstoffdüngers über die Straße von Hormus, Brasilien rund die Hälfte seines Harnstoffbedarfs. Auch Australien ist stark abhängig, jedoch aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke weniger anfällig.
Ein zusätzlicher Engpass entsteht bei Schwefel, einem Nebenprodukt der Ölindustrie und essenziell für die Herstellung von Phosphatdüngern. Ein erheblicher Teil des globalen Schwefelhandels stammt aus der Golfregion. Engpässe treffen daher auch wichtige Produzenten wie Marokko und China – mit direkten Auswirkungen auf den weltweiten Düngemittelmarkt.
Die Folgen reichen weit über einzelne Länder hinaus. Sinkende Erträge und steigende Düngemittelpreise könnten die globalen Agrarmärkte destabilisieren. Auch Industrieländer sind betroffen, etwa durch steigende Importpreise für Futtermittel wie Soja und Mais.
Neben wirtschaftlichen Risiken drohen auch politische Spannungen. Historische Beispiele zeigen, dass steigende Lebensmittelpreise soziale Unruhen auslösen können. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Versorgung mit Düngemitteln eine strategische Bedeutung, die der von fossilen Energieträgern nahekommt.
Kurzfristig steht Krisenmanagement im Fokus, insbesondere zur Stabilisierung besonders abhängiger Volkswirtschaften. Mittelfristig dürfte eine Neuausrichtung der globalen Lieferketten notwendig werden. Die EU hat bereits Gespräche zur Sicherung der Düngemittelversorgung initiiert.
Langfristig könnten strategische Reserven und der Aufbau regionaler Produktionskapazitäten an Bedeutung gewinnen. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Geopolitische Konflikte wirken zunehmend direkt auf die Grundlagen der globalen Ernährung.
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