
Ein Marktkommentar von CoinShares´ Senior Portfolio Manager Marc des Ligneris. Auf der Suche nach Wertaufbewahrung gibt es derzeit Kurskapriolen.
Nachlassende Zinssenkungserwartungen, wachsende Zweifel an der Glaubwürdigkeit der US-Geldpolitik und erste Risse im Reservewährungsstatus des Dollars prägen das Marktumfeld. Während Gold und andere Edelmetalle von der Suche nach stabiler Wertaufbewahrung profitieren, bleibt Bitcoin trotz struktureller Knappheit noch außen vor.
FED bleibt abwartend, während Märkte Davos und die Berichtssaison einordnen
Risikoreiche Anlageklassen traten in dieser Woche in eine ruhigere Phase ein, nachdem die zahlreichen Schlagzeilen der Entwicklungen in Davos aus der Vorwoche verarbeitet wurden, bevor der Auftakt der Berichtssaison die Nervosität wieder belebte.
Wie allgemein erwartet, ließ die US-Notenbank die Leitzinsen unverändert und verwies auf einen sich stabilisierenden Arbeitsmarkt sowie eine Inflation, die weiterhin ‚etwas erhöht‘ ist. Zugleich wurde signalisiert, dass weitere Zinssenkungen von den eingehenden Daten abhängen werden. Dennoch deuten einige vorlaufende Indikatoren auf eine Abschwächung des Arbeitsmarkts hin, etwa die in dieser Woche veröffentlichten Daten des Conference Board, was eine Wiederaufnahme des Zinssenkungszyklus begünstigen würde.
US-Schuldenstrategie und der Glaubwürdigkeitstest für die FED
Die anhaltende Diskussion um die Ernennung des nächsten FED-Vorsitzenden dominiert weiterhin die Aufmerksamkeit. Kevin Warshs historisch restriktive Haltung scheint seine Kandidatur zu belasten, während sich die wahrgenommenen Chancen von Rick Rieder verbessert haben. Unabhängig vom Ausgang zeichnet sich jedoch ein zentrales strukturelles Problem ab: Rund 26% der US-Bundesschulden werden innerhalb der nächsten zwölf Monate fällig – ein nach historischen Maßstäben ungewöhnlich hoher Anteil.
Dies spiegelt die jüngste Strategie wider, kurzfristige Schuldtitel auszugeben, um von erwarteten, aggressiven Zinssenkungen zu profitieren. Die Federal Reserve kann es sich jedoch nicht leisten, ihre Glaubwürdigkeit zu gefährden, da dies höhere langfristige Renditen und eine schwächere Währung nach sich ziehen würde – Dynamiken, die derzeit in Japan zu beobachten sind.
Zweifel am Reservewährungsstatus des Dollars
Vor diesem Hintergrund erschweren zunehmende Ankündigungen zur Reduzierung von US-Staatsanleihebeständen – etwa die Entscheidung eines dänischen Pensionsfonds in der vergangenen Woche vor dem Hintergrund von Spannungen im Zusammenhang mit Grönland – das Bild zusätzlich und stellen den Reservewährungsstatus des Dollars weiter infrage.
Das Umfeld ist daher ausgesprochen günstig für Wertaufbewahrungsmittel wie Gold. Wie die Grafik zeigt, bleibt Gold trotz seiner jüngsten starken Entwicklung im historischen Vergleich zu den Aktienmärkten weiterhin günstig bewertet. Nachfolgende Äußerungen von Präsident Trump, der Sorgen über eine Dollarschwäche herunterspielte, verstärkten die bestehende Erzählung einer Diversifizierung der Reserven. Edelmetalle setzten ihre Rallye auf neue Höchststände fort, da Anleger ihre Umschichtungen weg vom US-Dollar fortsetzten. Silber sticht hingegen dadurch hervor, dass es kurzfristig zunehmend überdehnt wirkt und erste Anzeichen von Nervosität zeigt.
Bitcoin: Knappheit ohne Anerkennung (noch)
Bitcoin steht vorerst weiterhin am Rand. Er wird offenbar nach wie vor eher als technologiegetriebenes oder risikobehaftetes Asset wahrgenommen, denn als echtes Wertaufbewahrungsmittel – trotz einer Produktionsrate (neu pro Jahr geschaffene Menge im Verhältnis zum Bestand), die bereits um die Hälfte niedriger ist als die von Gold und sich mit jeder zukünftigen Halbierung erneut halbieren wird. Da Bitcoin unpolitisch ist, eine begrenzte Menge aufweist und weder Gegenparteien- noch Kreditrisiken trägt, dürfte es letztlich nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die Marktwahrnehmung zu verschieben beginnt.
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