Finanzmärkte im Stresstest: Ölkrise trifft KI-Boom

Die Geopolitik belastet weiterhin die Finanzmärkte – doch KI-Investitionen und Energiepreise könnten neue Chancen eröffnen.

Nach einem freundlichen Jahresstart setzte sich die Aufwärtsbewegung an den Finanzmärkten auch im Februar fort. Während der globale Aktienmarkt insgesamt leicht zulegte, entwickelten sich Europa und Deutschland dynamischer, wobei Japan die stärkste Monatsperformance verzeichnete. Der breite US-Aktienmarkt blieb hingegen zurück, gebremst durch schwächere Technologiewerte. Auf Sektorenebene waren weltweit vor allem Energie-, Rohstoff- und Versorgeraktien gefragt, während Technologie-, Finanz- und Konsumtitel eher enttäuschten.

Mit Blick auf den April habe sich das Chance-Risiko-Profil der Finanzmärkte eingetrübt, so das Strategie-Team von DJE, das die Märkte anhand der hauseigenen FMM-Methode – also nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien – analysiert. Eine defensivere Positionierung erscheine daher aktuell angebracht. Hintergrund sei eine komplexe Gemengelage aus Irankrieg, Ölkrise, Zinssorgen und KI-Investitionen. Noch sei unklar, wie lange die Blockade der Straße von Hormus und die militärische Eskalation anhalten werden. Ein länger andauernder Konflikt scheine an den Finanzmärkten bislang nicht vollständig eingepreist zu sein.

Die Finanzmärkte warten noch auf Entspannung

Die Finanzmärkte warten noch auf Entspannung

Unabhängig von den geopolitischen Spannungen bleiben Investitionen in KI-, Halbleiter- und Rechenzentrumsinfrastruktur ein wichtiger struktureller Treiber. Große Technologiekonzerne bauen ihre Kapazitäten weiter aus, um den steigenden Bedarf an Rechenleistung zu decken. Entsprechend könnten ausgewählte KI- und Technologieaktien weiterhin attraktiv bleiben. Auch Energieunternehmen dürften profitieren, da steigende Öl- und Gaspreise in vielen Fällen zu positiven Gewinnrevisionen führen könnten.

Regional könnten sich die Auswirkungen der Ölkrise unterschiedlich verteilen. Die USA gelten als vergleichsweise widerstandsfähig, da sie einen Großteil ihres Öl- und Gasbedarfs selbst decken und über eine moderne Raffinerieinfrastruktur verfügen. Europa und Asien seien dagegen stärker von Energieimporten abhängig. Zugleich entwickelten sich wichtige US-Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes weiterhin robust. Im Anleihebereich bleibe daher ein Fokus auf mittleren Laufzeiten sinnvoll.

Zu den größten Risiken für die Finanzmärkte zählt das DJE-Team eine mögliche Verschärfung der geopolitischen Lage. Ein länger anhaltender Irankrieg könnte die Energiepreise hoch halten und damit insbesondere Europa und Asien wirtschaftlich belasten. Auch steigender Inflationsdruck durch höhere Ölpreise gilt als möglich. Gleichzeitig erscheinen einige Aktienmärkte bereits hoch bewertet und könnten die Risiken eines anhaltenden Konflikts bislang unterschätzen. Besonders kritisch bewertet DJE derzeit zudem den Bereich Private Equity, der im aktuellen Umfeld unter Druck stehen und durch Risiken aus dem Private-Credit-Segment belastet werden könnte.

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