Energiesouveränität: Warum Wind und Sonne zur strategischen Pflicht werden

AI generiert

Geopolitische Krisen zeigen laut aream-CEO Markus W. Voigt: Energiesouveränität gelingt nur mit Wind- und Solarenergie – nicht mit fossilen oder nuklearen Abhängigkeiten.

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten führen nach Ansicht von Markus W. Voigt, CEO der aream Group, die strukturelle Verwundbarkeit des globalen Energiesystems erneut deutlich vor Augen. Ein Krieg gegen den Iran wirke weit über die Region hinaus: Steigende Ölpreise, höhere Gasnotierungen sowie Risiken entlang zentraler Transportwege wie der Straße von Hormus belasteten Wachstum, Investitionen und industrielle Stabilität gleichermaßen.

Die Hoffnung, fossile Energieabhängigkeiten ließen sich politisch dauerhaft kontrollieren, greife jedoch zu kurz. Gerade hochvernetzte Volkswirtschaften seien anfällig für Lieferunterbrechungen, steigende Versicherungskosten und volatile Frachtrouten. Damit werde Energiesicherheit zunehmend zu einer wirtschaftsstrategischen Kernfrage.

Kritisch bewertet Voigt indes die wieder aufflammende Debatte um eine Renaissance der Kernenergie. Selbst traditionell atomfreundliche Länder wie Frankreich seien bei Uranlieferungen auf Staaten wie Russland, Kasachstan oder Usbekistan angewiesen. Von echter Autarkie könne daher kaum gesprochen werden. Zudem seien neue Kernkraftwerke kapitalintensiv, regulatorisch komplex und mit Realisierungszeiten von bis zu 20 Jahren verbunden – ein Zeitraum, der aktuelle energiepolitische Herausforderungen nicht lösen könne.

Energiesouveränität erfordert Handlungsoptionen

Ähnliches gelte allerdings auch für neue Gaskraftwerke, die häufig als strategische Reserve diskutiert würden. Neben langen Planungsprozessen blieben dauerhafte Importabhängigkeiten bei Erdgas oder LNG bestehen – Erfahrungen, die Deutschland in den vergangenen Jahren bereits gemacht habe.

Echte Energiesouveränität entstehe hingegen dort, wo Primärenergie lokal verfügbar sei. Während Wasserkraft und Biomasse nur begrenzte Ausbaupotenziale bieten, sieht Voigt Wind- und Solarenergie als tragende Säulen einer unabhängigen Energieversorgung. Beide Technologien seien technologisch ausgereift, kostenseitig deutlich günstiger geworden und großflächig installierbar – ohne geopolitisch sensible Brennstoffimporte.

In Kombination mit modernen Speicherlösungen könnten erneuerbare Energien kurzfristig zur Stabilisierung der Energieversorgung beitragen. Ihre dezentrale Struktur erhöhe zudem die Resilienz des Systems, da Ausfälle einzelner Anlagen leichter kompensiert werden könnten. Jede zusätzliche erzeugte Kilowattstunde aus erneuerbaren Quellen reduziere Importabhängigkeiten, stabilisiere langfristig Preise und stärke regionale Wertschöpfungsketten.

Umso weniger nachvollziehbar sei daher, dass Genehmigungsverfahren, regulatorische Unsicherheiten und politische Zurückhaltung den Ausbau weiterhin bremsten. Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz stünden hierbei nicht im Widerspruch, sondern verfolgten dasselbe Ziel.

Die aktuelle geopolitische Lage sei deshalb kein Argument für eine Rückkehr zu alten Technologien, sondern vielmehr ein Weckruf für strukturelle Transformation. Energiesouveränität entstehe letztlich durch konsequente Investitionen in heimische Ressourcen – und damit vor allem durch den beschleunigten Ausbau von Wind- und Solarenergie.

Markus W. Voigt, aream Group

aream Group

…wurde 2005 gegründet und ist ein Developer und Asset-Manager mit Fokus auf nachhaltige Infrastruktur im Sektor Erneuerbare Energien. Dazu gehören Wind- und Solarkraft, Netze und Speichertechnologie. Mit mehr als 2,5 Mrd. EUR Transaktionsvolumen gehört aream zu den führenden Asset-Managern in diesem Markt, mit dem eigenen Anlagenbestand wird grüner Strom für rund 40 Mio. EUR pro Jahr umgesetzt. www.aream.de.

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