Energie spaltet Emerging Markets, Selektion entscheidet

Emerging Markets starten stark ins Jahr – doch Konflikt, Dollar und Energiepreise sorgen für zunehmende Divergenz.

Die Emerging Markets haben 2025 und zu Jahresbeginn 2026 ihre jahrelange Schwächephase hinter sich gelassen – getragen von schwächerem Dollar und stabiler globaler Konjunktur. Doch mit dem Konflikt im Nahen Osten und dem jüngsten Dollaranstieg hat sich das Bild eingetrübt. Laut Einschätzung von Strategen von BlackRock*, Wei Li, Ben Powell, Axel Christensen und Pablo Goldberg, zeigt sich nun eine deutlich stärkere Dispersion zwischen einzelnen Ländern.

Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist die Energieabhängigkeit. Die faktische Blockade der Straße von Hormus – normalerweise Transportweg für rund 20% des globalen Öl- und LNG-Handels – trifft vor allem Energieimporteure wie Indien und Teile Asiens. Dagegen profitieren viele Länder in Lateinamerika als Netto-Energieexporteure, was ihre Märkte bislang stabilisiert.

Energieabhängigkeiten von Emerging Markets

Energieabhängigkeiten von Emerging Markets; Source: BlackRock Investment Institute with data from IEA, U.S. EIA,GIIGNL, OPEC and commercialtanker-tracking databases, April 2026.

Doch diese Unterscheidung greift zu kurz. Auch strukturelle Trends spielen eine Rolle: Südkorea profitiert von seiner Schlüsselrolle bei Halbleitern für KI, während China seine Position im Bereich erneuerbare Energien ausbaut. In Lateinamerika wiederum treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Kupfer und Lithium die Märkte zusätzlich an. Gleichzeitig bestehen Risiken für das KI-Narrativ – etwa durch Energieengpässe, Kapitalbindung und potenzielle Lieferkettenstörungen.

Im Rentenbereich rücken Hartwährungsanleihen in den Fokus. Diese meist in US-Dollar denominierten Papiere bieten Schutz vor Währungsvolatilität und profitieren von verbesserten fiskal- und geldpolitischen Rahmenbedingungen in vielen Emerging Markets. Zudem ist die Duration entsprechender Indizes zuletzt gesunken, was die Zinssensitivität reduziert. Länder wie Mexiko und Brasilien konnten trotz globaler Unsicherheiten bereits erste Zinssenkungen vornehmen.

Bei Aktien bleiben die Strategen insgesamt neutral, setzen jedoch auf gezielte Engagements. Besonders im Fokus stehen Rohstoffexporteure in Lateinamerika, während in China trotz technologischer Führungsrolle Preisdruck und Überkapazitäten die Aktienperformance belasten.

Fazit

Die Emerging Markets bieten weiterhin Chancen, doch das Umfeld wird komplexer. Selektivität bleibt entscheidend – sowohl zwischen Regionen als auch innerhalb einzelner Märkte.

*) BlackRock zählt zu den weltweit führenden Vermögensverwaltern und analysiert globale Kapitalmärkte mit einem starken Fokus auf Multi-Asset-Strategien. Die Autoren des Kommentars sind erfahrene Strategen für Emerging Markets und globale Anlagestrategien.

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