
Laut EU-Kommission gibt es in Europa circa 11 Bio. EUR Spar-, Termin- und Sichteinlagen, die idealerweise im Rahmen einer verbesserten Aktienkultur zumindest potenziell für Aktieninvestments und für die Altersvorsorge zur Verfügung stehen. Allein auf Deutschland entfallen etwa 5 Bio. EUR.
Vor diesem Hintergrund haben der DIRK – Deutscher Investor Relations Verband – und die DVFA – Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management – gemeinsam eine Umfrage bei über 250 börsennotierten Unternehmen, darunter insbesondere DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen, durchgeführt. Ziel der Umfrage war es, herauszufinden, welche Bedeutung Retail-Anleger für die Emittenten aktuell haben, wie sich die Intensität der Betreuung dieser Investorengruppe perspektivisch aus Sicht der jeweiligen Emittenten entwickeln wird und welche Rolle emittentenfinanziertes Aktienresearch (Paid Research) als Informationsquelle für Retail-Investoren dabei spielt.
Zu den Retail-Investoren zählen laut Umfrage neben klassischen Einzelinvestoren auch High Net Worth Individuals (HNWI), kleine Family Offices sowie kleine Asset-Management-Boutiquen. Diese Gruppe hat in der Regel keinen Zugang zu Broker-Research; dies steht häufig nur großen institutionellen Investoren zur Verfügung.
Retail-Anteil bei DAX und MDAX ist gering – bei Nebenwerten jedoch deutlich bedeutender
Laut den Umfrageergebnisse liegt der Retail-Anteil bei 70% aller DAX-Unternehmen bei unter 10%. Im MDAX haben sogar 88% der Unternehmen einen Retail-Anteil von unter 10%. Dagegen sind es im SDAX nur 50%. 35% aller SDAX Unternehmen weisen einen Retail-Anteil an der Aktionärsstruktur von mehr als 20% aus. Bei den übrigen Unternehmen sind es nur 31% mit einem Retail-Anteil unter 10%. 42% der sonstigen Unternehmen weisen eine Retail-Quote von über 20% aus.
Indexübergreifend wollen Unternehmen die Betreuung von Retail-Investoren verstärken oder beibehalten
„Obwohl die heutige Bedeutung der Retail-Anleger je nach Index sehr unterschiedlich ist, ist es bemerkenswert, dass 94% aller antwortenden Unternehmen die Betreuungsintensität von Retail-Anlegern steigern bzw. zumindest beibehalten wollen“, sagt Kay Bommer, Geschäftsführer des DIRK. Dabei wollen 38% der DAX-Unternehmen die Betreuung intensivieren. Im MDAX sind es 18% und im SDAX sind es sogar 45%. Dagegen wollen im DAX nur 7%, im MDAX 6% und im SDAX 0% die Betreuung von Retail-Investoren reduzieren.
„Hieraus lässt sich klar erkennen, dass die Unternehmen bereits heute die zukünftig wahrscheinlich steigende Bedeutung von Retail-Anlegern antizipieren und sich darauf entsprechend vorbereiten“, erläuterte Thorsten Müller, Vorstandsvorsitzender der DVFA. „Wichtige Schlagworte sind in diesem Zusammenhang die steigende Bedeutung der individuellen kapitalgedeckten Altersvorsorge, zunehmend günstige Transaktionskosten durch Neo- und Onlinebroker sowie das langsame Entwickeln einer Aktienkultur durch junge Investorengenerationen“, ergänzt Müller.
Emittentenfinanziertes Research spielt im SDAX und darunter eine große Rolle
Im DAX und MDAX erfolgt die Research Coverage über Broker Research. Paid Research spielt hier keine Rolle. Dagegen spielt emittentenfinanziertes Research im SDAX eine große Rolle. 70% der teilnehmenden SDAX Unternehmen beziehen Paid Research. Bei den sonstigen Unternehmen sind es sogar 89%, die Paid Research beziehen. Im Median haben die Emittenten im Nebenwertesegment drei Unternehmen mit der Erstellung von Aktienresearch beauftragt. Veröffentlicht wird das Research über die Emittenten-Webseite oder über Research-Plattformen.
Höhere Retail-Betreuungsintensität ist ein starkes Signal für bessere Aktienkultur
Zusammenfassend stellt Thorsten Müller fest: „Wenn sich die Emittenten indexübergreifend zukünftig intensiver um Retail-Investoren bemühen wollen, ist das ein starkes Signal für Retail-Investoren und ein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung der Aktienkultur in Deutschland.“
„Vor dem Hintergrund einer eher geringen internationalen Investorennachfrage und mangelnder ETFs, die auch Nebenwerte abbilden, ist der Fokus auf Retail-Investoren, insbesondere bei SDAX-Unternehmen und anderen Nebenwerten, stark ausgeprägt. Das zeigt sich insbesondere durch die starke Nutzung von emittentenfinanziertem Research bei Nebenwerten“, erklärt Kay Bommer.
Bedeutung von emittentenfinanziertem Research wird zunehmen
Auf Basis der Umfrage und des erwarteten stärkeren Fokus auf Retail-Anleger erwarten Bommer und Müller eine weitere Stärkung von emittentenfinanziertem Research, vor allem im SDAX und bei anderen Nebenwerten. Offen ist, inwieweit auch Emittenten des DAX und des MDAX im Rahmen der Intensivierung des Retail-Segments die Veröffentlichung von Research in Erwägung ziehen
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