Deutscher Haushalt hat Druck unterm Kessel – vieles im Widerspruch zur Realität

Der Haushalt gerät zunehmend unter Druck: Ohne Reformen drohen steigende Schulden, Inflation und höhere Steuern.

Die Haushaltslage bleibt angespannt – und nach Ansicht von Alexander Raviol, Partner und CIO Derivative Solutions bei Lupus alpha, sei noch „viel Luft“ für Einsparungen vorhanden. Statt immer neuer vermeintlicher Entlastungspakete brauche es klare Prioritäten und eine ehrliche Bewertung von Kosten und Wirkung staatlicher Maßnahmen.

Raviol sieht einen strukturellen Trend: Dauerhaft hohe Staatsverschuldung halte den Inflationsdruck hoch und drücke die Realzinsen. Politische Versprechen zur Haushaltsdisziplin stünden dabei im Widerspruch zur Realität. Als Beispiel nennt er kurzfristige Maßnahmen wie Tankrabatte, die zwar populär seien, aber keine nachhaltige Entlastung brächten.

Dabei ist der finanzielle Spielraum begrenzt: Laut Bundesrechnungshof droht schon bis 2029 eine Haushaltslücke von mehr als 170 Mrd. EUR, also rund 60 Mrd. EUR pro Jahr. Für Raviol ist klar: Diese Lücke werde ohne Gegenmaßnahmen über Schulden, Steuern und Inflation geschlossen – mit entsprechenden Folgen für Wirtschaft und Kapitalmärkte.

Haushalt unter Druck: Der Staat lässt sich seine Staatsdiener einiges kosten

Haushalt unter Druck: Der Staat lässt sich seine Staatsdiener einiges kosten

Sein Gegenentwurf setzt auf konsequente Ausgabenkürzungen in drei zentralen Bereichen. Erstens müssten Subventionen deutlich reduziert werden. Mit einem Volumen von über 320 Mrd. EUR seien diese längst zu einem strukturellen Problem geworden, das Marktmechanismen verzerrt. Zweitens sieht Raviol bei den Sozialausgaben Reformbedarf: Über 500 Einzelleistungen und ein Budget von knapp 200 Mrd. EUR allein im Bundeshaushalt machten grundlegende Änderungen notwendig. Drittens fordert er Einschnitte bei den Verwaltungskosten. Der Personalaufbau im öffentlichen Dienst sowie steigende Kosten böten erhebliches Einsparpotenzial – etwa durch Nicht-Nachbesetzung frei werdender Stellen.

Die politische Realität sieht der Experte allerdings skeptisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass umfassende Kürzungen umgesetzt werden, sei gering. Für Anleger bedeutet das aus seiner Sicht: Inflationsrisiken bleiben bestehen, klassische Zinsanlagen geraten unter Druck.

Alexander Raviol

Sein Fazit ist klar: Aktien bleiben für Investoren unverzichtbar, um langfristig positive reale Renditen zu erzielen.

Lupus alpha ist ein unabhängiger deutscher Asset Manager mit Fokus auf spezialisierte Investmentlösungen. Alexander Raviol verantwortet dort als CIO den Bereich Derivative Solutions.

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