DeFi Bonds: moderne Anleihe oder Ponzi-Scheme?

DeFi Bonds versprechen Rendite ohne klassische Struktur – doch fehlende Regulierung und Systemrisiken machen sie zu einem hochspekulativen Investment. Von Robert Steininger*

Wer sich für Anleihen interessiert und dabei gerne über den Tellerrand schaut, hat vielleicht schon einmal etwas von sogenannten DeFi Bonds gehört. Ohne Zweifel handelt es sich dabei um ein Nischeninvestment, zugleich wirft diese Anlagekategorie einige Fragen auf.

Schon bei der Definition wird es schnell kompliziert, denn so wirklich viel haben DeFi Bonds mit klassischen Anleihen eigentlich nicht zu tun. Was genau steckt also dahinter und für wen kann es sich unter Umständen lohnen, solche Produkte in der eigenen Investmentstrategie zu berücksichtigen?

Was ist überhaupt DeFi?

DeFi steht für „Decentralized Finance“, also dezentrale Finanzdienstleistungen. Gemeint sind damit Anwendungen, die nicht über klassische Banken oder Finanzinstitute laufen, sondern direkt über die Blockchain abgewickelt werden. Nutzer interagieren dabei nicht mit einem Unternehmen, sondern mit sogenannten Smart Contracts, also Programmen, die bestimmte Abläufe automatisch ausführen.

Typische DeFi-Anwendungen sind etwa das Verleihen von Kryptowährungen, der Handel über dezentrale Börsen oder das Erzielen von Renditen über verschiedene Protokolle. Die Idee dahinter ist, Finanzdienstleistungen ohne zentrale Instanz zugänglich zu machen.

Viele Nutzer sehen darin den Vorteil, direkte Kontrolle über das eigene Vermögen zu haben. Natürlich geht das Ganze aber auch mit neuen Risiken einher. Denn statt eines regulierten Anbieters steht bei DeFi vor allem der zugrunde liegende Code im Mittelpunkt.

Ein neuer Markt für experimentierfreudige Trader

Viele experimentelle Blockchain-Produkte sprechen vor allem Menschen an, die neue Modelle ausprobieren wollen und dabei bewusst ein höheres Risiko eingehen. Dazu zählen Anleger, die starke Kursschwankungen aushalten, mögliche Verluste verschmerzen können und zugleich auf schnelle Gewinne hoffen.

Im Krypto-Bereich ist diese Erwartung oft Teil des gesamten Geschäftsmodells. Ähnliche Erwartungen finden sich aber auch in anderen digitalen Bereichen, in denen Nutzer auf kurzfristige Ergebnisse und eine schnelle Verfügbarkeit von Geld setzen. Im Netz gibt es daher zahlreiche Inhalte, die sich genau mit solchen Aspekten befassen, etwa mit den Top 15 Online Casinos mit schneller Auszahlung.

Rechtlich ist beides jedoch nicht gleichzusetzen. DeFi Bonds gelten nach bisherigem Verständnis nicht als Glücksspiel, sondern bewegen sich im Umfeld digitaler Finanzprodukte und tokenbasierter Modelle.

Eine allgemein anerkannte und abschließend einheitliche rechtliche Definition von DeFi Bonds gibt es bislang nicht. Gerade das trägt dazu bei, dass die Abgrenzung in der Praxis oft schwierig bleibt.

Darum sind DeFi Bonds keine Anlagen im klassischen Sinne

Bei einer klassischen Anleihe ist klar geregelt, wer Geld aufnimmt und wer es verleiht. Ein Unternehmen oder ein Staat gibt eine Anleihe aus, Anleger stellen Kapital zur Verfügung und erhalten dafür feste Zinsen sowie am Ende ihr Geld zurück. Es gibt einen klaren Emittenten und ein rechtlich definiertes Schuldverhältnis.

Bei DeFi Bonds fehlt genau diese Struktur. Es gibt in der Regel keinen klassischen Schuldner, der das Geld aufnimmt und zurückzahlen muss. Stattdessen läuft der gesamte Ablauf über sogenannte Smart Contracts auf der Blockchain.

Dabei handelt es sich um Programme, die automatisch festgelegte Regeln ausführen. Wird beispielsweise eine bestimmte Menge Kryptowährung gesendet, reagiert der Smart Contract unmittelbar und vergibt im Gegenzug Token oder andere Ansprüche innerhalb des Systems.

Anleger senden also Kryptowährungen an ein solches Protokoll und erhalten dafür keine klassische Forderung gegenüber einem Unternehmen, sondern eine Position innerhalb eines technischen Systems. Auch die Rendite entsteht anders:

Sie wird nicht durch einen festen Zinssatz garantiert, sondern ergibt sich aus Mechanismen wie Token-Ausgaben, Preisentwicklungen oder der Nutzung des jeweiligen Systems. Dadurch sind Erträge nicht fest planbar.

Der Begriff „Bond“ wird in diesem Zusammenhang häufig verwendet, obwohl die Funktionsweise deutlich abweicht. Er soll das Konzept verständlicher machen und eine Nähe zu klassischen Anleihen herstellen, die im eigentlichen Sinne gar nicht besteht.

Wo und wie DeFi Bonds genutzt werden können

DeFi Bonds setzen auf Netzwerk

Um DeFi Bonds überhaupt nutzen zu können, wird zunächst eine technische Grundausstattung benötigt. Zentral ist dabei eine sogenannte Wallet. Dabei handelt es sich um eine digitale Geldbörse, in der Kryptowährungen gespeichert und Transaktionen ausgeführt werden.

Häufig genutzt werden Wallets wie MetaMask, die direkt im Browser funktionieren. Zusätzlich werden Kryptowährungen benötigt. In den meisten Fällen kommen dabei etablierte Coins wie Ethereum (ETH) oder Stablecoins wie USDC oder USDT zum Einsatz.

Diese müssen zuvor über eine Krypto-Börse gekauft und anschließend in die eigene Wallet übertragen werden. Der Zugriff auf DeFi Bonds erfolgt über spezielle Plattformen oder Protokolle. Nutzer verbinden dann ihre Wallet mit der jeweiligen Website und können dort direkt mit dem Smart Contract interagieren.

Eine zentrale Stelle oder ein klassischer Anbieter existiert dabei nicht. Auf den ersten Blick erinnert das gesamte Konzept an das klassische Staking von Kryptowährungen. Beim Staking allerdings werden Coins in einem Netzwerk hinterlegt, um dessen Betrieb zu unterstützen und dafür eine Vergütung zu erhalten.

Bei DeFi Bonds hingegen werden Kryptowährungen gezielt in ein System eingebracht, um an bestimmten Mechanismen oder Modellen teilzunehmen, die eine Rendite in Aussicht stellen.

Allgemeine Risiken von DeFi Bonds

DeFi Bonds bringen Risiken mit sich, die bei klassischen Anleihen so nicht bestehen. Ein Punkt sind die Smart Contracts. Das sind Programme auf der Blockchain, die die Abläufe automatisch steuern. Enthält der Code Fehler, kann Geld verloren gehen. Auch Angriffe von außen sind möglich.

Dazu kommt das Kursrisiko. Viele DeFi-Modelle arbeiten mit eigenen Tokens oder mit Kryptowährungen, deren Preise stark schwanken. Eine hohe versprochene Rendite hilft wenig, wenn der zugrunde liegende Coin im selben Zeitraum deutlich an Wert verliert.

Auch die Handelbarkeit ist nicht immer gegeben. Manche Produkte lassen sich nicht jederzeit ohne Verluste verkaufen. Teilweise fehlt es an Liquidität, teilweise sind Laufzeiten oder Sperrfristen vorgesehen. Hinzu kommt dann noch die fehlende Regulierung.

Es gibt meist keinen Emittenten, keine Bank und keine Aufsicht, an die sich Anleger im Streitfall wenden können. Wer Geld in ein solches Modell gibt, ist auf die Technik, die Regeln des Protokolls und die Stabilität des gesamten Systems angewiesen.

Ponzi-Modelle im DeFi-Kontext

Der Begriff Ponzi-Scheme fällt im DeFi-Bereich nicht ohne Grund. Gemeint sind Systeme, bei denen Auszahlungen an bestehende Teilnehmer vor allem aus dem Geld neuer Teilnehmer erfolgen. Genau dieser Vorwurf taucht auch bei manchen DeFi-Projekten auf.

Der Hintergrund ist einfach: Viele Modelle versprechen hohe Erträge, ohne dass ein klassisches Geschäft dahintersteht. Das Geld kommt also nicht aus Produktion, Kreditvergabe oder Unternehmensgewinnen. Stattdessen werden neue Tokens ausgegeben oder neue Einzahlungen genutzt, um bestehende Teilnehmer bei Laune zu halten.

Solange ständig neues Geld ins System fließt, kann das funktionieren. Lässt das Interesse nach, gerät das Modell schnell unter Druck. Dann brechen Kurse ein, Auszahlungen stocken und die versprochenen Renditen verlieren ihren Wert.

Nicht jedes DeFi-Projekt ist automatisch ein Ponzi-System. Der Verdacht steht immer dann im Raum, wenn Erträge fast ausschließlich durch Zuflüsse neuer Nutzer getragen werden und kein tragfähiges Modell außerhalb des Systems erkennbar ist.

*) Robert Steininger ist Fachautor für u.a. Anlagestrategien und publiziert regelmäßig zu Fachthemen wie Online- und Investment-Strategien, Glücksspielthemen, Krypto und Verhaltensanalyse.

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