China nutzt den Iran-Krieg leise für den eigenen Aufstieg

China positioniert sich im Iran-Krieg als Stabilitätsanker – und baut gleichzeitig seinen geopolitischen Einfluss aus.

Während die USA im Iran-Krieg mit teils erratischer Kommunikation auffallen, verfolgt China eine deutlich strategischere Linie. Laut Einschätzung von Enguerrand Artaz agiert Peking bewusst zurückhaltend – zumindest öffentlich. Erst spät trat China sichtbar auf den Plan, dann jedoch gezielt: etwa über diplomatische Initiativen, an denen es sich zunehmend aktiv beteiligt.

Der Zeitpunkt ist dabei kein Zufall. China verstärkt sein Engagement genau in einer Phase, in der die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts global spürbar werden und der Druck auf eine Lösung steigt. Damit inszeniert sich Peking als Stabilisator und Vermittler – im Kontrast zur US-Strategie.

Gleichzeitig verfolgt China eine Doppelstrategie. Einerseits tritt das Land offiziell als Deeskalationsakteur auf, andererseits deutet vieles darauf hin, dass es den Iran indirekt unterstützt, etwa durch technologische Hilfen. Ziel ist es, sowohl geopolitischen Einfluss zu sichern als auch international als verlässlicher Partner, insbesondere für Schwellenländer, wahrgenommen zu werden.

China denkt strategisch

China denkt strategisch

Kurzfristig bleibt China jedoch nicht verschont. Die Abhängigkeit von Energieimporten über die Straße von Hormus belastet insbesondere die chemische Industrie, deren Kosten deutlich steigen. Das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit – vor allem gegenüber europäischen Märkten.

Langfristig könnten die Effekte jedoch klar positiv sein. Der Konflikt verstärkt den globalen Trend hin zu Energieunabhängigkeit und Elektrifizierung – genau in jenen Bereichen, in denen China führend ist, etwa bei Solartechnologie, Elektromobilität und Kernenergie.

Hinzu kommt ein strategisches Ziel: China könnte seine Rolle im Rohstoffhandel ausbauen und mittelfristig versuchen, Transaktionen stärker in Yuan statt US-Dollar abzuwickeln. Der Iran-Krieg wirkt dabei als Katalysator für die schrittweise Erosion der Dollar-Dominanz.

Für Investoren bedeutet das: Neben kurzfristiger Volatilität verstärkt der Konflikt langfristige Trends wie Regionalisierung, geopolitische Fragmentierung und die wachsende Bedeutung alternativer Machtzentren. Eine breitere geografische Diversifikation dürfte daher zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Enguerrand Artaz, LFDE

Fazit

China nutzt den Iran-Krieg geschickt zur Ausweitung seines Einflusses – diplomatisch wie wirtschaftlich. Kurzfristige Belastungen treten dabei hinter langfristige strategische Chancen zurück.

*) Enguerrand Artaz ist Fondsmanager bei La Financière de l’Echiquier (LFDE), einer führenden französischen Vermögensverwaltung mit Fokus auf aktive Anlagestrategien und internationalen Märkten.

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