Cannabinoide aus Nicht-Hanfpflanzen – SynBiotic setzt hohe Zielmarken

Bisher konzentriert sich die Forschung beim Thema Cannabinoide hauptsächlich auf die Varianten, die aus der Hanfpflanze gewonnen werden können. Es ist aber auch möglich, Cannabinoide aus Nicht-Hanfpflanzen zu extrahieren. Das möchte das Unternehmen SynBiotic SE nun bewiesen haben. Von Robert Steininger*

„Beyond Cannabis“ – Cannabinoide aus Nicht-Hanfpflanzen

Es gibt insgesamt etwa 100 verschiedene Cannabinoide und die meisten lassen sich aus Bestandteilen der Hanfpflanze extrahieren. Einige unter ihnen, z.B. CBD, können auch aus anderen Pflanzen wie Hopfen gewonnen werden. Auf diesen Bereich konzentrieren sich das börsengelistete Cannabis-Unternehmen SynBiotic SE und sein CEO Lars Müller. Nicht unbedingt wegen des immer noch schlechten Rufes von Cannabis als Droge und Suchtmittel möchte das Unternehmen neue Wege jenseits des klassischen Cannabis gehen.

Vielmehr weiß Müller um das große Marktpotenzial funktionaler Cannabinoide wie CBD im Bereich medizinischer Anwendungen. Im Fokus des Unternehmens stehen aber nicht ausschließlich Rezepturarzneien, sondern auch Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetikprodukte, die für Endverbraucher direkt erreichbar sind.

Cannabinoide für Arzneimittel, Kosmetik- und Wellnessprodukte

In der modernen Gesellschaft gibt es heute hinsichtlich der Gesundheit drei große Problemfelder, nämlich Schmerzen, Schlafstörungen und Angstzustände. Untersuchungen haben gezeigt, dass weltweit mehr als 310 Mio. Menschen unter diesen Beschwerden leiden. Für diese Menschen möchte SynBiotic SE mithilfe seiner Forschung und Entwicklung im Bereich der Cannabinoide helfende Lösungen finden. Selbstverständlich steht hier auch ein gerade erwachender Multi-Milliarden-Markt im Hintergrund, dem die Politik durch verschiedene Beschlüsse der UNO und des EuGH Lebensatem eingehaucht hat.

So wurde Cannabis im Jahr 2020 von der UNO aus der Liste der ‚Suchtmittel ohne weiteren Nutzen‘ gestrichen und auch der Europäische Gerichtshof hat im selben Jahr per Urteil festgehalten, dass CBD nach aktueller wissenschaftlicher Erkenntnis nicht als psychotrop wirkendes Suchtmittel eingestuft werden könne, weshalb der Verkauf legal sei. Solche Feststellungen erleichtern Unternehmen wie SynBiotic die Arbeit natürlich sehr und können dazu geeignet sein, Hürden ganz abzubauen oder zumindest ihre Höhe zu verringern.

CBD setzt am menschlichen Nervensystem an und entfaltet von dort aus seine schmerzlindernden, beruhigenden und angstlösenden Eigenschaften. Es wird vermutet, dass CBD Angstzustände, Schmerzen, Schlafstörungen, Krämpfe und Anfälle, Stress sowie Entzündungen lindern kann. Seine Mission sieht SynBiotic darin, pflanzliche Arzneimittel, Rezepturarzneimittel sowie Fertigarzneien zu entwickeln, deren Basis die verschiedenen Cannabinoide und/oder eine Kombination aus ihnen bilden.

Mehr Forschung: SynBiotic verfolgt Buy & Build Strategie

Um seine selbstgesteckten Ziele zu erreichen, braucht das Unternehmen entsprechendes Knowhow und den Zugang zu entsprechenden Netzwerken der Cannabis-Branche. Beides erwirbt SynBiotic durch seine Buy & Build Strategie und wird so zu einem zunehmend breiter diversifizierten Plattform-Unternehmen im Bereich Cannabis. Ein wichtiger erster Schritt war die im Oktober 2020 erworbene Beteiligung an Greenlight Pharmaceuticals, einem Unternehmen aus Irland mit den Schwerpunkten Forschung und klinische Studien. Auch der kürzlich erfolgte Zukauf der kanadischen NeuroTheryX Ltd dient der Verstärkung der Forschung bei der SynBiotic SE.

CEO Lars Müller erläutert die Hintergründe: „Mit NeuroTheryX und seinen Beteiligungen können wir jetzt neue Produktformulierungen, Wirkstoffkombinationen sowie neuartige Moleküle auf Basis von Cannabinoiden und Terpenen erforschen und patentieren lassen.“ Die bisher vom kanadischen Unternehmen erarbeiteten Ergebnisse in den genannten Bereichen will SynBiotic weiter stark fördern und zudem erweitern. Erstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist jetzt CBPlus, ein alternatives CBD-Extrakt, das Cannabinoide und Terpene enthält, die nicht aus Hanf gewonnen werden.

Börsenlistung & Investoren – Fundament der gesetzten Zielmarken

CEO Lars Müller möchte SynBiotic SE zum größten Cannabis-Unternehmen in Europa machen und nicht nur seine eigenen Marken vertreiben, sondern auch anderen innovativen Unternehmen aus dem Cannabinoid-Sektor zum Erfolg verhelfen. Dazu benötigt das Unternehmen natürlich viel Kapital. Dieses konnte durch den Börsengang in Frankfurt, Düsseldorf und auf Xetra generiert werden.

Der Einstieg bedeutender Investoren wie Christian Angermayer und das Abschneiden der SynBiotic-Aktie seit dem Börsengang zeigen, dass Müller den richtigen Weg gefunden hat. Immerhin konnte der Anteilsschein bisher einen Wertzuwachs von 27% verzeichnen. Im Vergleich zur Bewertung der kanadischen Marktführer Aphria und Tilray – Börsenwert ca. 5 Mrd. USD – ist die momentane Marktkapitalisierung von derzeit etwa 68 Mio. EUR natürlich bescheiden, aber das soll sich durch weiteres Wachstum bald ändern. Geplant ist eine jährliche Wachstumsrate von etwa 50%.

Die Börsenlistung und die von den Investoren zur Verfügung gestellten Finanzmittel verschaffen dem noch jungen Projekt jede Menge Spielraum, weitere Unternehmen in das Beteiligungsunternehmen zu integrieren, an neuen Cannabinoid-Varianten zu forschen und zum Beispiel CBD-haltige Produkte für die medizinische Anwendung sowie die Bereiche Kosmetik, Wellness und Lebensmittel zu produzieren.

*) Robert Steininger ist Fachautor für u.a. Anlagestrategien und publiziert regelmäßig zu Fachthemen wie Online- und Investment-Strategien, Glücksspielthemen, Krypto und Verhaltensanalyse