
Der griechische Schuldenstreit geht wohl schon heute bzw. spätestens gegen Ende der Woche in seine vorerst finale Runde. Ab Mittag treffen sich die Finanzminister der Eurogruppe, am Abend kommen dann die Staats- und Regierungschefs der Eurozone zum entscheidenden Sondergipfel zusammen. Ziel ist eine politische Lösung im griechischen Schuldendrama. Selbst wenn der große Wurf ausbleiben sollte, werden die beteiligten Europartner versuchen – die parlamentarische Zustimmung in einigen Euroländern vorausgesetzt – Griechenland als Minimalziel finanziell über die kommenden Sommermonate zu bringen. Die bis dahin verbleibende Zeit könnte dann für weitere Verhandlungen genutzt werden.
Ausgewählte Daten des Tages
Zeit Land Indikator Periode Schätzung Letzter
16:00 US Verkäufe bestehender Häuser (in Mio.) Mai 5,28 5,04
16:00 EC Verbrauchervertrauensindex Jun. -5,8 -5,5
BE 2020/25/45 Bonds
FR 3/5/12 M Schätze
EC EZB-Redner: Trichet, Cœuré
Quellen: Bloomberg, NATIONAL-BANK AG Research
Themen des Tages
• Gibt es heute Nacht doch noch einen Kompromiss mit Griechenland?
Marktkommentar
In die Frage nach dem Umgang mit Griechenland ist wieder Bewegung gekommen. Nachdem das Treffen der Finanzminister der Eurogruppe letzte Woche keine Fortschritte gebracht hat, kam man der griechischen Administration möglicherweise ein letztes Mal entgegen, indem für heute Abend ein außerordentliches Treffen der Staats- und Regierungschefs der Eurogruppe angesetzt wurde. Damit wäre der Boden für eine politische Lösung bereitet.
Der griechischen Administration scheint relativ deutlich geworden zu sein, dass dieses Treffen vermutlich tatsächlich die letzte Gelegenheit sein könnte, eine Staatspleite zu vermeiden. Dementsprechend wurden von der griechischen Administration neue Vorschläge übermittelt, wie Griechenland die geforderten Einsparungen erreichen will. Dass es wahrscheinlich die letzte Chance auf Einigung ist, macht die kolportierte Teilnahme von IWF und EZB an dem Treffen heute Abend deutlich.
Bis dahin sind jedoch die Vorschläge aus Griechenland noch aufzuarbeiten. Dabei ist bislang wenig bekannt, was die Regierung konkret vorgeschlagen hat. Außerdem muss jedem Beteiligten klar sein, dass die neuen Vorschläge in ihrer gesamten (finanziellen) Tragweite in der verbleibenden Zeit kaum zu beurteilen sind. Immerhin, so war es bereits zu hören, würde der griechische Ministerpräsident bei einer Einigung mit den Geldgebern die Vorschläge sofort im griechischen Parlament beschließen lassen.
Was kann das Ergebnis sein? Den großen Wurf, den sich die Vertreter der Eurogruppe und die Kapitalmärkte wünschen, wird es nicht geben, da es kaum möglich sein wird, die griechischen Vorschläge schnell auf ihre Tragfähigkeit und Wirkung zu untersuchen. Vermutlich gibt es einen typischen Euroland-Kompromiss: Durchwursteln. Man wird versuchen – die parlamentarische Zustimmung in einigen Euroländern vorausgesetzt – Griechenland finanziell über den Juni und Juli, vielleicht auch den August zu bringen. Die bis dahin verbleibende Zeit würde dann für weitere Verhandlungen genutzt werden.
Wenn man so will, würde das Murmeltier in den kommenden Wochen weiterhin täglich grüßen. Griechenland dürfte als ungelöstes Problem auf der Agenda bleiben.
Zudem darf man nicht übersehen, dass es nicht mehr so einfach werden wird, die entsprechenden parlamentarischen Zustimmungen zu erhalten. In Deutschland regt sich bspw. inzwischen massiver Widerstand gegen die griechische Politik. Das dürfte in anderen Euroländern genauso sein. Die Einigung mit Griechenland kann außerdem nicht zu jedem Preis erfolgen, da sonst die Konsolidierungserfolge in anderen Ländern wie Irland, aber vor allem Portugal und Spanien gefährdet wären.
Die Konjunkturdaten dürften heute keine Rolle spielen. Dabei fällt bei den Prognosen für das Verbrauchervertrauen in Europa auf, dass es im Vormonatsvergleich schwächer ausfallen soll. Es könnte durchaus sein, dass die ganze Griechenlanddiskussion gepaart mit wieder steigenden Energiepreisen den Konsumenten auf die Stimmung schlägt.
Außerdem stehen die „existing home sales“ für Mai in den USA an. Hier dürfte eine positive Entwicklung zu vermelden sein.
Der Bund Future dürfte etwas leichter in die neue Woche starten. Danach wird der Ausgang des Treffens der Spitzenvertreter der Eurogruppe zum Thema Griechenland die weitere Richtung bestimmen. Die belgischen Staatsanleihen sollten mit geringen Renditezugeständnissen platzierbar sein. Die französischen Schätze werden problemlos aufgenommen. Der Bund Future dürfte sich zwischen 151 und 152,60 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries sollte zwischen 2,23 und 2,37% liegen.
Rentenmarktbericht der National-BANK. Die gesetzlichen Pflichtangaben zur NATIONAL-BANK AG finden Sie unter http://www.national-bank.de/pflichtangaben